Das „123 Sommerfrustkleid“

Was tut man, wenn der geplante Sommerurlaub auf den schönsten Campingplätzen der Niederlande wegen anhaltenden Regenwetters nach drei Tagen abgebrochen wird? Richtig: man verzieht sich, wieder zu Hause angekommen, mit einem unterhaltsam-komischen Buch („Die hohe Kunst des Bankraubs“ von Christopher Brookmyre – sehr empfehlenswert!) aufs Sofa und näht sich, sobald die Laune wieder einigermaßen hergestellt ist, ein Sommerkleid zum Trotz!

Da ich fast einen kompletten Jahrgang alter Burdas aus 2007 erstanden habe, hatte ich mir das Kleid „123“ aus der Burda 2/2007 ausgeguckt: ein Pseudo-Wickelkleid mit (wie heißt das denn jetzt?) angeschnittenen Raglanärmeln (?) und vorne zwei dekorativ gelegten Falten in den Vorderteilen, die wohl die Brustabnäher ersetzen (ich sach‘ jetzt mal nix zum Foto…):

Schnitt_123

Quelle: Burda 2/2007

Einen Stoff dafür hatte ich auch schon: einen bedruckten Baumwolljersey von dem großen Kaufhaus, in das laut Medienberichten niemand gerne einkaufen geht, runtergesetzt und dann noch mal mit 20 % Rabatt versehen, so dass ich weniger als 3 Euro/Meter bezahlt habe. Also genau richtig für mich Nähanfängerin…

Da der Stoff recht dünn ist und ich schon schlechte Erfahrung gemacht habe mit sich einrollenden Schnittkanten, habe ich mir die Schnittteile nach dem Anzeichnen mit Sprühstärke gefügig gemacht (das ist übrigens die einzige Sprühdose unseres Haushalts…). Die Idee mit der Wäschestärke ist eigentlich ein Tipp für das Nähen von Chiffon und ähnlich dünnem Zeug, aber für billigen Jersey funktioniert es auch ganz wunderbar. Das Ergebnis: stabile Schnittkanten, die sich wunderbar stecken und nähen lassen…

Staerke

Da Nähen ging dann auch recht gut. Die Ärmelkanten und die schräg verlaufenden Ausschnittkanten der Vorderteile sollten mit Vlieseline Formband versehen werden, was ich noch nie gemacht habe. Laut Burda-Näh-Bibel sollte der Bereich mit dem Faden genau auf der Außenkante des Schnittteils liegen (zumindest habe ich die Zeichnung so verstanden). Ich finde das etwas hinderlich, da es noch einen außenliegenden Bereich des Bandes gibt, das ja dann „umgeklappt“ wird, aber ich habe es mal brav so aufgebügelt. Das weitere Zusammennähen gestaltete sich dann auch recht einfach, vorausgesetzt, man hatte sich die Nahtzahlen von den vorderen Ärmelteilen notiert, bei denen „oben“ und „unten“ sowie „rechts“ und „links“ nur mit viel Phantasie zu erraten sind, da alle Kanten irgendwie gleich lang und keine charakteristischen Winkel vorhanden sind.

Beim ersten Probe-Anziehen, bevor ich die Ärmelkanten umgenäht und das Rockteil versäumt habe, hat es sich schon angedeutet: Das Oberteil war viel zu weit! Ich hatte vorher ähnliche Berichte über „Kleid 123“ im Web gelesen, wollte aber auf Nummer sicher gehen. Außerdem darf es für ein Hochsommerkleid ruhig etwas luftiger sein. Ich habe also an den Seiten von den Ärmellöchern bis zur Taille jeweils 1 cm enger genäht und an der Rückennaht in der Taille ebenfalls noch 1 cm weggenommen (also im Umfang dann insgesamt 6 cm…).

Das Ergebnis konnte ich dank des etwas sommerlichen Wetters gestern probetragen. Wie wohl für Burda üblich, mit einem enorm tiefen Ausschnitt, der beim Hinsetzen zuweilen etwas aufklafft. Wahrscheinlich werde ich kurz unterhalb des Ausschnittes die beiden Oberteile mit ein paar Stichen aneinandernähen, damit dies nicht mehr auftritt. Mein Herzallerliebster ist begeistert von dem Kleid. Ich hätte da allerdings noch Verbesserungsbedarf, falls es noch ein Folge-Kleid geben sollte…

123_Kleid

Queste-Faktor:
Kleid: Das „Vlieseline Formband“ war neu für mich und daher schon etwas mit Abenteuer behaftet, ob es denn so werden wird, wie beabsichtigt. Dann: zwei Kleidergrößen aus dem Kleid wieder herausnehmen war für mich Nähanfängerin ebenfalls nicht so einfach. Aber da habe ich dann einfach drauflos gehuddelt.
Glücksfaktor: Na ja, ein doch ganz nettes Kleid, das mich aber (leider) an den verregneten Niederlande-Urlaub erinnern wird…
Wiederholungsfaktor: ja, doch – aber dann Größe 38 oder sogar 36 obenherum…

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