WKSA #4: Aufholjagd mit Hindernissen

Die Zeit rennt und ich gebe mir alle Mühe, mein geplantes Weihnachtskleid dem Zustand der Vollendung entgegenzubringen. Eigentlich hatte ich mir ja rund ums Nikolauswochenende Urlaub genommen, um ein wenig oder mehr in Weihnahtsstimmung zu kommen – und mein Weihnachtskleid weiter zu nähen. Nur: die doofen Erkältungsviren lassen mich nicht, so dass ich die Hälfte meiner Urlaubstage wieder krank geschrieben wurde.

Nun gut, was tut man nicht alles für ein Weihnachtskleid? Zum Beispiel Weihnachtsmärkte und Plätzchenbackorgien links liegen zu lassen, um in Zeiten ohne Kopfschmerzen und Fieber Schnittmuster zusammen zu kleben, Stoff zuzuschneiden und die ersten Nähte zu machen. Nix desto trotz hinke ich dem Zeitplan hoffnungslos hinterher. Aber, ich glaube, ich befinde mich in guter Gesellschaft…

Also, wie auf den Klebefotos zu sehen ist: es wird das Burda „Puffärmelkleid“… Dieses Mal habe ich auch die Einzelteile erst in Reihen zusammengeklebt und dann die Streifen jeweils aneinander. Sehr zu empfehlen diese Methode. Mein erstes PDF-Muster habe ich damals wirklich Stück für Stück zusammengestückelt, was ewig gedauert hat.Schnittmuster_kleben

Nahtzugaben ausmessen und drumherum malen gehört nach wie vor nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Es ist soooo mühsam und so langweilig! Genauso das Übertragen der Linien auf den Stoff – wobei dabei wenigstens noch die Herausforderung besteht, möglichst stoffsparend zu arbeiten und auch wirklich alle Schnitteile unterzubringen. Mein Jacquard-Stoff ist längselastisch (!!!), was dazu führte, dass ich entgegen der eingezeichneten Verlaufslinien zuschneiden musste.
Dann gibt es noch „Mini-Passenteile“ die oben wie unten gleich aussehen. Anfängerin, die ich bin, habe ich mir fleißig die Nahtzahlen schön mit Gelstift aufgemalt… ist ja innen – sieht ja keiner! Ach ja, die Armausschnittkanten wie auch die Ausschnittkannten selbst sollten mit diesem fisseligen Vlieseline-Fomband bebügelt werden… Habe ich dieses Mal brav gemacht:

Arbeitsschritte

Das Zusammennähen gestaltete sich zunächst sehr anfängerfreundlich. Experimentierfreudig wie ich bin, habe ich auch gleich eine „bombensichere“ Abnäher-Zusammenraff-Methode ausprobiert, die ich auf einem Pinterest Board gefunden habe: mit Heftfaden werden die Kanten des Anähers in großen Abständen parallel „bestickt“ und dann am Faden gezogen. Hat man alles richtig gemacht, kommen die Kanten genau aufeinander zu liegen. Ich habe es natürlich erstmal verkehrt herum gemacht und der Abnäher legte sich brav nach außen… Grrrrmpf! Noch mal richtig rum probiert (die parallelen Stiche müssen auf der rechten Stoffseite zu sehen sein), nur um dann in der Anleitung zu sehen, dass die Abnäher zusammen mit dem angenähten Taillen-Passenteil zusammengenäht werden. Tchja – Anfängerin, ich – eben… (aus Schaden wird man klug – mit Nahttrenner alles wieder getrennt und dann laut Anleitung genäht).

Abnaeher

Doch nun zu „Ich habe diese schwierige Stelle gemeistert und bin stolz wie Bolle!“ Wie man auf der technischen Zeichung  gut sehen kann (die ist weiter unten zu sehen), gehen die Rockabnäher in die „Prinzessinennähte“ (oder wie das jetzt heißt) der Oberteile über. Also müssen diese Nähte im Rockteil und Oberteil beim Zusammennähen genau aufeinander liegen. Bei der AnNäherung im Januar in Bielefeld hatte ich Augen und Ohren aufgesperrt und so den Tipp des Aufeinanderheftens der Nähte mittels Heftfaden aufgeschnappt. Auch flugs umgesetzt – und es klappte nicht! Dreimal probiert, dreimal wieder aufgetrennt und dann den Ehrgeiz verloren. Nun lebe ich halt damit, dass eine Naht etwas versetzt ist. Die anderen sind aber ok.

Nahtlinien

Ansonsten hält mein Erstaunen darüber an, dass man konvexe und konkave Schnittlinien aneinander nähen kann. Wie auch schon beim Sofamantel halte ich die Schnittteile aneinander und denke „Das kann nicht klappen!“ Klappt aber irgendwie doch. Wenn man es mit ca. einer Million Stecknadeln sichert (s.u.).

IMG_0900

Und: Irgendwie werde ich im Gegensatz zu meinem früheren Nähprojekten immer pingeliger. Bei einer Naht im oberen Rückenteil habe ich erst eine Falte, dann einen Versatz reingenäht. Nicht schön. Also jedes Mal wieder aufgetrennt und noch mal genäht.

Mein Fortschritt an diesem Wochenende also: Vorderteil und Rückenteil komplett genäht. Und weil ich so hibbelig war und wissen wollte, ob ich denn reinpasse oder ich mir wohlmöglich den nicht vorhandenen Busen unters Kinn binden muss, habe ich die Schulter- und Seitennähte mit hellem Garn und größter Sticheinstellung vorhin noch  schnell zusammengehumst und bin vor den Spiegel… (ähm, ich habe ganz vergessen zu erwähnen, dass da eigentlich noch ein Reißverschluss seitlich reingehört. Aufgrund des super-stretchigen Jacquards konnte ich aber so reinschlüpfen…) Und: jaahaa – es legt sich schmeichelnd um Taille und Kiste (der ich etwas zu viel Stoff zugedacht habe, aber das kann man ja noch beheben) und obenrum fehlt mir das, was ich untenrum zu viel habe.

Damit wäre ich bei diesem Thema hier: „Uah, es passt nicht, das muss ich ändern!“: Es ist mir jeweils unter den Armen irgendwie zu weit, was an meiner fehlenden Oberweite liegt. Nun gut, Weihnachten könnte ich mir ja mal einen „push up“ gönnen, damit wäre es nicht soo gravierend. Aber etwas unsicher bin ich schon, ob ich seitlich unter den Armausschnitten etwas Stoff wegnehmen sollte. Der Stoff ist ansonsten seeeehr schön stretchig, so dass ich an den Feiertagen sicherlich nicht unter Platzproblemen leiden sollte. Hm, erstmal fertig nähen? Oder doch in der Weite was wegnehmen? Hat jemand einen Rat für mich?

Kleidprobe_ProblemeDa es heute Abend ja schon etwas spät wurde, hier der Stand der Dinge auf dunklen Fotos an der Tür hängend (auf den Fotos sieht das Kleid ehrlich gruselig aus – angezogen aber zum Glück nicht!): 🙂

VorguckerNoch zu tun: Reißverschluss-rein-oder-nicht-Frage klären (ich komm ohne Probleme so rein…), die Puffärmel nähen und einsetzen und dann war da noch so etwas wie Futter…

Wie es bei den anderen Sew-Alongistas aussieht, werde ich gleich mal hier gucken gehen.

Advertisements

2 Gedanken zu “WKSA #4: Aufholjagd mit Hindernissen

  1. Das wird bestimmt ein tolles Kleid, ich bin schon gespannt! Den Trick, die Abnäher so zusammen zu bekommen, habe ich auch schon ausprobiert, es läuft klasse!
    Bei ausgedruckten Schnittmustern klebe ich nie alles zu einem Blatt zusammen, ich klebe nur die zusammen gehörenden Teile des Schnittes zusammen, manchmal schneide ich die Blätter durch, wenn zwei Schnittteile betroffen sind. Mein Drucker druckt so schlecht, dass manchmal große Lücken entstehen würden, wenn ich ALLES aneinander zu kleben versuchte. Natürlich markiere ich die Teile, trotzdem ist das manchmal eine ziemliche puzzelei – aber da macht’s dann wieder Spaß.
    Nahtzugaben außen oder innen anzufügen ist wirklich sehr öde … die Zugaben bei den amerikanischen Schnitten finde ich immer zu reichlich, deshalb ändere ich die auch oft – ganz zu schweigen von den persönlichen Änderungen!
    Jetzt, wo ich das schreibe geht mir erst so richtig richtig auf, wieviel Arbeit das ist!
    Mensch, sind wir fleißig!! Und ordentlich!
    Liebe Grüße
    Ilse

    • Das Gute an den PDF-Mustern ist aber, dass man gleich die Nahtzugabe drumherum malen kann und recht stabile Papierteile hat. Wenn ich mit Malerfolie (schon die dicke) Schnittmuster abpause, ist alles immer so fisselig. LG – Corinna

Ich freue mich über Rückmeldungen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s