Ich pfeif‘ auf die Kochlöffelmethode…

… oder wie es doch klappt, ein ärmelloses Trägerkleid mit Beleg zu verstürzen.

IMG_1338 (2)

Ich bin ja letztens kläglich daran gescheitert, die Anleitung zum Trägerverstürzen beim Kleid 114 aus 2/2013 auch nur annähernd zu verstehen, geschweige denn, umzusetzen. Wobei die Geschichte mit dem Kochlöffel nur einen anschließenden Arbeitsgang darstellt, um die Schulternähte sauber auseinander zu bügeln. Aber wie es ausschaut, bin ich mit meiner Verständnislosigkeit nicht allein. Denn: Ich habe im Web einige Tutorials gefunden, die sich mit der sauberen Verarbeitung von Beleg, respektive Futter und ärmellosen Oberteilvarianten beschäftigen…

Allerdings waren sie bei meinem Nähprojekt nur wenig hilfreich, da sie meist über eine offene Reißverschlussnaht im Rückenteil verfügten.

Geholfen hat mir der Besuch im örtlichen Nähcafé und die Hilfsbereitschaft der gelernten Schneiderin dort. Anders als in der burda Anleitung beschrieben, erklärte sie mir, wie man die Sache mit den Trägern löst, wenn der Beleg (oder das Futter) bereits am Halsausschnitt und an den Ärmellöchern miteinander vernäht sind. Und damit ich nicht alleine mit meinem Wissen da stehe, sondern auch andere, ähnlich ratlose Sewenistas davon profitieren können, habe ich hier mal die Vorgehensweise für euch dokumentiert. Vielleicht kann ich damit bei Gelegenheit einmal weiterhelfen.

Das sind die Schritte:

Burda_1141. Ausgangszustand: Oberstoff und Beleg sind an den folgenden Nähten geschlossen, bzw. aufeinander genäht:
Hals- und Armausschnitt (Oberstoff und Beleg jeweils zusammengenäht),
Seitennähte von Ober- und Belegteil sind jeweils getrennt geschlossen.
Die Schulternähte sind oben bei allen Schnittteilen offen.

2. Das Kleidungsstück ist auf links gewendet. Dabei liegen beim Vorder- und Rückenteil jeweils die rechten Seiten von Oberstoff und Beleg aufeinander. Das Kleidungsstück liegt mit der Vorderseite nach oben.

 

IMG_12963. Ein (rechter) Schulterträger wird in sich gewendet, so dass die linken Stoffseiten innen, die rechten Stoffseiten außen liegen. Der Beleg verläuft nun schräg im Halsauschnitt vom Kleidungsstück von außen nach innen, halb auf rechts, halb auf links gewendet, aber das stört aber nicht weiter.

 

 

 

 

IMG_12974. Den zunächst auf dem Kleidungsstück liegenden Träger klappt man wie eine Buchseite einfach nach rechts neben das Kleidungsstück (wie wenn man ein Buch rückwärts aufblättert).

 

 

 

 

5. So wie das Kleidungsstück liegt, wendet man es komplett. Die Vorderseite liegt nun auf dem Tisch, die Rückseite einem zugewandt.

6. Der vorher ausgeklappte Träger wird ebenfalls wie bei einer Buchseite auf das Kleidungsstück, so wie es vor einem liegt, oben draufgeklappt/draufgelegt.

 

 

gedreht7. Der Träger wird, so wie er liegt, von unten unter den Beleg in den Träger des Rückenteils geschoben (oben bleibt oben, unten bleibt unten). Er befindet sich damit zwischen dem Rückenbeleg und dem Oberstoff des Rückenteils. Also genau dazwischen. Oben werden die offenen Kanten der Trägerenden aufeinander gelegt und mit Stecknadeln gesichert/geheftet.

 

 

 

IMG_1299 (2)8. Die Schulternaht des Trägers wird geschlossen. Dabei werden alle vier Stofflagen (Träger-Vorder- und Rückenteil sowie Beleg-Vorder- und Rückenteil) in eins miteinander vernäht. Nahtzugabe zurückschneiden und nach Wunsch versäubern. (wohin die gebügelt werden sollten, entzieht sich leider meiner Kenntnis, ich glaube, die liegen zwangsweise alle in einer Richtung)

 

 

fertig9. Träger des Vorderteils aus dem Träger des Rückenteils nach unten wieder hervorziehen. Dabei wendet sich der Beleg und – tadaah: Beleg und Träger erscheinen richtig herum und die Schulternaht ist von außen und innen sauber geschlossen (hier mit eingenähter Falte, das geht bestimmt besser. Sicherheitshalber kann man das vorher ab dem Stadium mit den Stecknadeln mal testen – nicht, dass der Träger doch verdreht ist). Dass da jetzt nicht mehr mit einem Kochlöffel irgendwas gebügelt wird, versteht sich von selbst, oder?

Die ganze Geschichte wiederholt man jetzt spiegelbildlich mit dem linken Träger und hat damit die burda Anleitung erfolgreich umgangen! (Und bedurfte auch keiner offenen Rückennaht – mit oder ohne Reißverschluss – zum Wenden).

Nachteil: je nach Stoffdicke und Nahtzugabe oben am Träger an den Hals- und Armausschnitten gibt es keinen ganz sauberen Übergang an der Schulternaht (vom Rückenteil zum Vorderteil), da die beiden „Trägerschläuche“ bei dieser Konstruktion einander „umfassen“. Die Nahtzugabe stört dabei. Dünne Stoffe und eine schmale Nahtzugabe scheinen dabei von Vorteil zu sein.

Ich freue mich, wenn diese Anleitung weiterhilft oder aber auch über Tipps, wie es vielleicht auch noch gaaaanz anders geht. Links (wie hier, ganz unten) und sachdienliche Hinweise nehme ich gerne entgegen!

PS.: Jau, auch für Beratung im Nähcafé bin ich gerne bereit, das dortige Kaffeeschweinerl zu füttern. Schließlich habe ich eine Dienstleistung in Anspruch genommen… Wie handhabt ihr das so?

Advertisements

5 Gedanken zu “Ich pfeif‘ auf die Kochlöffelmethode…

  1. Ach ja, was habe ich diese „Kochlöffelmethode“ schon verflucht….. Ich kann Dich echt verstehen. Diese Anleitung – zum Haare raufen!! Irgendwann hatte ich es aber raus, wie das geht, und beim nächsten Projekt, bei dem diese Technik zum Einsatz kommt, mache ich auch mal ein paar Fotos.
    Aber wie man sieht: Es führen immer ein paar mehr Wege (erfolgreich!) nach Rom. Zum Glück für unsere Nerven.
    LG, Sandra

  2. Ach guck, dass Du Dich sehr erfolgreich durch die burda Anleitungen kämpfst, hatte ich ja schon letztens bei Muriel hören können…! 😉
    Ja, ich würde mich sehr freuen, wenn Du bei Gelegenheit die „richtige“ burda Methode mal mit Fotos dokumentieren könntest und das immerwährende Kochlöffelrätsel auflösen könntest – da wäre ich gespannt darauf! LG – Mrs Go

  3. Ich pfeif‘ auch auf die Kochlöffelmethode :), aber ich mache es ein bisschen anders und es funktioniert einwandfrei. Ich wende alles auf links und schliesse die seitlichen Nähte der Träger (Arm- und Halsauschnitt) und höre ca. 2cm vor der Schulternaht auf. Dann nähe ich die Schulternähte zusammen (Oberstoff Vorderteil+Oberstoff Rücken und Futter Vorderteil+ Futter Rücken) und schliesse die Arm- und Halsauschnittnähte, die ich anfangs offen gelassen habe. Wenn man genau in der Nähfußbreite näht, kann eigentlich nichts schief gehen 🙂 Somit bleibt der Kochlöffel in der Küche! 🙂
    Viele, liebe Grüße!
    Kasia

    • Das liest sich wie burda (bis auf den Kochlöffel…) und ich habe die Reihenfolge, wann was wie wo genäht und gewendet wird, ehrlich nicht durchschaut. Aber schön, dass es bei Die klappt! Vielleicht magst Du die Methode mal dokumentieren und posten? Ich würde mich freuen! LG – Nrs Go

  4. Pingback: Hochsommerkleid für über 30 °C | Mrs Go

Ich freue mich über Rückmeldungen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s