Sommerbunt

IMG_2153 (3) Ja, das passiert, wenn man sich an einem trüben ’so-gar-nicht-Sommertag‘ von einer Fotoserie mit bunten Sommerfähnchen in einer alten Burda inspirieren lässt und dann anschließend bei einem bekannten Online-Versandhändler Stoffe auf dem ‚Stofftisch‘ hin und her schiebt. Angetan hatte es mir der grüne Maxirock Nr. 111 mit Rüsche und Knopfleiste vorn in einer alten Burda von 3/2007. SommerMode Da ich meinen eigenen Nähkünsten noch nicht so recht traute, ist es bei dem Stoff für den Rock nur „preisgünstiger“ Plastik-Chiffon mit wildem Blumenmuster geworden (wobei der Rock im Folgenden dann von mir auch gern als „LSD-Blümchenrock“ betitelt wurde…). Den Stoff für das Shirt hatte ich gleich dazu ausgesucht, einen Viskosestoff in „Fuchsia“. Auf dem virtuellen Stofftisch sah das zusammen ganz hübsch und sommerlich aus.

Burda_3_2007_111 Der Rock ist schmal geschnitten und hat seitlich je 2 Abnäher vorn und hinten. Dazu kommen noch die Belege für den Bund innen und die Rüsche, die aus zusammengenähten Rechtecken besteht. Da meine Nähmaschine nur geradeaus und im Zickzack nähen kann, habe ich mich für Französische Nähte entschieden, denn die Schnittkanten von dem Plastikzeugs lösten sich bereits beim Ansehen auf. Das Nähen ging relativ problemlos: 70er-Universalnadel, Allzweckgarn, kleine Stichlänge und nicht davon beirren lassen, dass der dünne Chiffonstoff sich total formlos, schlabberig und überaus fusselig verhält… Fussel_nähen
Die Belege sowie beide Knopfleistenseiten habe ich mit Vlieseline verstärkt (Burda wollte nur die Löcher – oder die Knopfseite verstärkt haben, ich habs nicht verstanden, welche…). Die Knopf-Geschichte war sowieso eine Herausforderung für mich, weil ich noch nie Knopflöcher genäht habe. Da meine Nähmaschine kein Knopflochprogramm hat, hieß das daher entweder: Knopfloch aus dünner „Zickzackstich-Raupe“ zusammensetzen oder von Hand nähen. Ich habe es von Hand versucht. Es funktioniert. Schön ist anders. Knopflochnähen_Versäubern
Für die Rüsche sollte man diese in 117 Falten legen: 1 cm breit und 1,5 cm tief…  Ich habe es mit einer Handvoll Falten versucht, mir das Faltenbild eingeprägt und dann frei irgendwie Falten gesteckt. Da sich diese eh nicht auf Augenhöhe befinden, fand ich das ausreichend. Man wird beim Faltenstecken ja auch ganz ramdösig, falls man sich nicht gerade einer vorher selbst hergestellten „Falthilfe“ (pleating board) wie hier bedient… (ziemlich genial, wenn man’s genau bedenkt). Da der Chiffonstoff ja recht durchscheinend ist, habe ich noch einen kürzeren „Unterrock“, dieses Mal aus grünem Chiffon, drangenäht (so bis kurz vorm Knie). Ich hoffe, dieser bietet ein wenig Sichtschutz, falls das Licht mal ungünstig fällt… Ach ja, und die Unterkante vom Beleg habe ich mit Satin-Schrägband eingefasst (im letzten Bild oben in der Reihe kann man es sehen, nebst Unterrock). Da ich fast alle Nähte „französisch“ genäht habe, wollte ich  keinen sichtbaren Zickzack-Stich an dem Rock haben. Burda_ChiffonrockNett ist die Rüsche, die beim Gehen immer etwas zeitverzögert „hinterher weht“ oder sich um einen „herum bauscht“. Also von daher ganz sicher ein Rock mit Spaßfaktor, was das Tragegefühl betrifft. So etwas Beschwingtes fehlte in meiner Garderobe noch. IMG_2170 (2)

Das Shirt ist das China-Shirt von Schnittquelle. Wieder einmal bin ich total begeistert von der Genauigkeit: Alles passt und die Markierungen helfen ungemein beim Zusammenfrickeln. Insgesamt ist es recht einfach zu nähen. Schade nur, dass der Ausschnitt von Anfang an „lappt“. Ich habe daher noch ein dünnes Gummi eingezogen.

Wenn ich ehrlich bin, entsprechen die Materialien so überhaupt nicht meinem „Kopfkleiderschrank“. Plastik ist ehrlich gesagt nicht so meins. Aber an hochwertige Stoffe, die dann auch sehr viel teurer sind, trau‘ ich mich einfach noch nicht ran. Irgendwie bin ich noch in meiner „Näh-Experimentier-Phase“ und gucke, was meine Nähmaschine und ich so zustande bekommen…

Und mehr sommerlich Selbstgenähtes, mit und ohne Plastik, gibt es wie immer hier beim Me Made Mittwoch zu sehen, wo Sybille übers Kofferpacken und die Urlaubsgarderobe philosophiert.

Queste-Faktor:
Nähen: Der Chiffonstoff war nicht ganz einfach zu nähen, dünn, labberig, selbstauflösend. Aber mit genügend Stecknadeln und Geduld ist es machbar. Das China-Shirt dagegen ist einfach zu nähen.
Glücksfaktor: bunt und sommerlich, wie beabsichtigt. Jetzt muss nur noch ausreichend Sommer her, damit ich das Ensemble spazieren tragen kann. Außerdem freue ich mich, dass ich das erste Mal mit Rüsche und Knopfleiste klar gekommen bin.
Wiederholungsfaktor: hm, vielleicht würde ich den Rock mal aus wirklich schönem Batist nähen wollen, jetzt wo ich weiß, dass ich auch mit dünnem, fisseligen Stoff umgehen kann. Das China-Shirt bekommt bestimmt noch weitere Versionen, vielleicht aus etwas dickerem Jersey, denn das ist wirklich klasse.

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22 Gedanken zu “Sommerbunt

  1. Hallo!
    Als ich mit dem Nähen anfing, an der alten Nähmaschine meine Mutter, die nachträglich von Fußantriebe auf Elektro umgerüstet wurde, gab es auch kein Knopfloch an der Nähmaschine. Ich habe also noch das Zusammensetzen des Knopfloches aus Zickzack-Raupen lernen müssen. Ich fand die Ergebnisse gar nicht so schlecht. Natürlich erfordert es etwas Übung, aber mit der Hand hätte ich das nie gemacht- RESPEKT! Ich finde den Rock sehr schön!
    LG Monika

    • Danke schön! 🙂 Mit der NähMa hätte ich an ein paar Stoffstücken das Knopfloch mit „Raupe“ probenähen müssen – und ehrlich gesagt konnte ich den fusseligen Stoff nicht mehr sehen, so dass ich auf Handarbeit ausgewichen bin… Gruß – Mrs Go

  2. Mir gefällt dein Outfit auch sehr gut! Toll, wie die Rüsche am Rock nachschwingt 🙂 Der Ausschnitt vom Shirt gefällt mir besonders gut. Das mit den billigen Stoffen kenne ich: Ich vernähe auch immer noch eher günstigere Stoffe, da ich mich noch nicht sicher genug für teure fühle – da wäre einfach zuviel Geld „rausgeschmissen“. Ich versuche aber, möglichst bei Baumwolle und Viskose zu bleiben und richtiges Plastikzeugs zu vermeiden. lg, Brigitte

    • Ja, um Plastik komme ich noch nicht so richtig drumherum. Aber Viskose und Baumwolle sollten es schon sein. Vielleicht werde ich irgendwann einmal Seide nähen, wer weiß… Lieb Grüße – Mrs go

  3. Das ist eine schöne bunte Sommerkombi, sie ist Dir gut gelungen! Bei Chiffon schwöre ich immer: Nie wieder! Das ist eindeutig ein Meineid! Auch wenn’s schwierig wird, es kommen trotzdem schöne Sachen dabei heraus. Dass Du Gummi in den Shirt-Ausschnitt eigezogenhast, sieht man garnicht!
    Diese Burda habe ich auch, sie gehört zu meinen Lieblings-Heften!
    Liebe Grüße
    Ilse

    • 🙂 Manchmal habe ich beim Chiffon-Nähen auch gedacht: „Kann man das nicht auch tackern?! Oder kleben???“ Aber das Durchhalten hat sich doch gelohnt. Ich muss auch sagen, dass ich die alten Burdas besser finde als manche neue. Und das Gummi im Ausschnitt ist ganz dünne Kordel – ich hoffe, sie hält. Liebe Grüße – Mrs Go

  4. Sehr schön, dein sommerbuntes Outfit! Der Rock gefällt mir sehr, so weit und schwingend. Schade, dass ich für Maxi-Röcke einfach zu kurz bin …
    Liebe Grüße von Doro

    • Hm, vielleicht kann man sie ja kürzen? Und soo groß bin ich mit meinen durchschnittlichen 168 cm ja nun auch nicht… Liebe Grüße – Mrs Go

  5. Ich finde super, wie du den Chiffon verarbeitet hast – aus meiner Sicht darfst du dich ruhig an die teureren Stoffe trauen! Das Shirt ist auch sehr schön. Du wirst sicher lange Freude an den beiden Teilen haben.
    L.G.
    Friedalene

    • Danke schön. Ja, vielleicht kann man das als „Probe“ sehen. Da ich die Verarbeitungs- oder Nähtechniken nur aus Büchern habe, muss ich erst Erfahrung sammeln. Aber vielleicht nehme ich das mal als Anlass, mich an die schöneren, teureren Stoffe zu wagen. Gruß – Mrs Go

  6. Das sieht schön fröhlich und eigentlich auch professionell aus! Ich improvisiere auch gern und im Allgemeinen sieht das kein Mensch. Ich wünsch Dir Glück mit dem franseligen Stoff. Ich hatte mal eine dünne geblümte (Schlabber-)Hose genäht, und die Beschreibung des Stoffes passt, da haben sich alle Nähte aufgelöst. Aber ich will den Teufel nicht an die Wand malen 🙂
    LG Judy

    • Also…. wenn sich die Französischen Nähte, die ja in sich doppelt genäht sind, auflösen, dann fress‘ ich… meine Schneiderkreide! Bei den Knopflöchern bin ich mir dagegen nicht so sicher. Wir werden sehen. Gruß – Mrs Go

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