Nähnerdklassenfahrt nach Berlin

Hast Du Lust, nach Berlin zu fahren? An den sagenumwobenen Ständen des Maybachufers (um die ich die Berlinerinnen heftigst beneide…) entlang zu schlendern und Stoffe zu kaufen? Nebenher noch den einen oder anderen Näh-Workshop mitzumachen? Und vor allem: das ganze in der guten Gesellschaft mindest ebenso (verrückt) nähbegeisterter Frauen?

Alex, was für eine Frage! Und ein Angebot, das man wirklich nicht ablehnen konnte.

Mit nahendem Abfahrtstermin wurde es jedoch zusehends schwerer, der nichtnähenden Umwelt die Nähnerdklassenfahrt irgendwie zu erklären. Ja, es geht ums Nähen – aber nein: die Nähmaschine bleibt hier. Ja, ich kenne einige persönlich von der AnNÄherung (ja, die AnNäherung, das ist…) – aber nein: alle kenne ich nicht, aber das kann man ja ändern.

Nun denn, es erwartete mich ein tolles Wochenende in der Jugenbildungsstätte Kaubstraße. Hin ging es mit der DB. Trotz formidabler Verspätung kam ich dennoch pünktlich um 12 Uhr am Berliner HBF an, wo der erste Treffpunkt war und Alex uns erwartete.

Darauf folgte ein Highlight nach dem nächsten… (hier nun eine kleine Auswahl meiner persönlichen Eindrücke ohne Anspruch auf  Vollständigkeit – manchmal habe ich einfach nur genossen und nicht fotografiert).

Lustwandeln und Stoffegucken am Maybachufer. Alternativ ging es am Freitag für einige andere zum Stoffeshoppen bei Hüco…
(Wobei die geneigte Stoffsüchtige auch gerne mehrfach das Maybachufer bewanderte, nämlich am Freitag UND Samstagvormittag), nebst Einkehr in der urig-gemütlichen Ankerklause nebenan.
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Mit meiner Beute bin ich recht zufrieden: blau melierter Wollstrickstoff, 2 x Jerseys (brombeer + braun), hellblauer Baumwollstoff, brauner wasserabweisender Funktionsstoff (3 €/m) und bedruckter Jersey. Hinzu kamen Vietnamesischer Zimt, den mir langsame Schildkröte wärmstens empfohlen hatte (er schmeckt scharf und süß, ein echter Geheimtipp!) und Lokum. Ich hätte noch viel mehr kaufen können, aber irgendwie musste ja alles in den Rucksack rein.
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Am Freitag Abend gab es vor dem Abendessen den Schnittanpassungskurs mit Regine Hielscher-Gotenbach, der einem an dem langen Tag doch einiges an Aufmerksamkeit abverlangt hat. Ich war wirklich etwas erledigt, dafür verfüge ich jetzt über einen perfekt angepassten Stehkragenblusenschnitt.

Am Samstag Vormittag besuchten wir die Modeausstellung im Kunstgewerbemuseum, in dem am selben Tag das Schneideratelier eröffnet wurde
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Krönender Abschluss des Samstags: leckeres Abendessen im Osmanya
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Sonntag Vormittag: Alabama Chanin-Kurs mit Constanze und Antje – ich bin schwer angefixt…
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Die Abreise kam dann doch irgendwie recht früh, die Zeit ist wie im Flug vergangen…
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Aber zum Glück konnte man ja viele neue Eindrücke, Bekanntschaften, Fertigkeiten und neues Nähwissen mit nach Hause nehmen und sogar noch auf dem Heimweg in der Bahn praktisch anwenden.
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Ach ja, schön war es!

Am Programm, Umfang und am timing gibt es nix zu meckern. Für leckeres Essen nebst Kaffee & Kuchen war gesorgt, wir konnten aus vielen Frühstückszutaten (Brötchen, Wurst, Käse, pipapo nebst Müslis, Milch und Sojamilch, Joghurt + Obst) wählen, ein Lunchpaket für den Samstag zusammenstellen, es standen Mineralwasser und Schüsseln mit Obst bereit, und last but not least: abends sorgten Wein und (nachdem ein Korkenzieher an Land gezogen wurde) auch Sekt für einen heiter-beschiggerten Tagesausklang.
Die Dozentinnen waren gut ausgewählt (wobei ich in dem Kurs „Der perfekte Reverskragen“ am liebsten die Dozentin geklaut hätte…) Eigentlich hatte ich geschwächelt und dafür nix vorbereitet, aber mich einfach dazu gesetzt – der Kurs war wirklich klasse!

Mein Dank geht an Alex, die alles super organisiert und tolle Ideen für das Wochenendprogramm und die Kurse hatte und an alle Teilnehmerinnen, die einem so freundlich und offen begegneten. Es war ein von Anfang bis Ende gelungenes Wochenende, an dem man nix hätte besser machen können (und wenn, wäre es wirklich meckern auf hohem Niveau…).

Queste-Faktor:
Wochenende: anstrengend, inspirierend, anregend, abwechslungsreich – einfach toll
Glücksfaktor: riesig! Es ist einfach toll, mit Gleichgesinnten ein so schönes Wochenende zu verbringen
Wiederholungsfaktor: oh ja, bittebittebitte…

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MMM Mottotag „Animals“

Heute wird beim MMM nach „Animals“ gefragt. Also alles, was irgendwie nach Raubtierdruck aussieht oder sonstwie etwas wie „Vögel, Marienkäfer, Schnecken oder Bären“ zeigt.
Mit Leo-Druck kann ich nicht dienen. Nach wie vor finde ich, dass Tierzeichnungen an den Tieren selbst immer noch unübertroffen aussieht. Und bisher konnte mich noch keine Nachahmung als Stoff oder Pelz vom Gegenteil überzeugen (na gut, vielleicht die Giraffenhose von einer Freundin – aber nur, weil diese selbst drin steckt…).
Aufwarten kann ich zum heutigen Motto-Tag aber mit einem super-kitschigen Design, das Papageien, Schmetterlinge und Bambi nebst Papa Hirsch zeigt – nämlich mein „Bambi-Kleid“, das ich hier schon einmal vorgestellt habe.

Tiere
Letztes Wochenende ging es nämlich zum Elternbesuch nach Braunschweig. Und da der Sonntag laut Wettervorhersage mit hochsommerlichen Temperaturen aufwarten sollte, hatte ich vorsorglich das Bambikleid eingepackt. Wieder an den Teuto zurückgekehrt musste ich es leider gegen lange Hose und T-Shirt eintauschen, weil uns ein formidables Gewitter erwartete. Kurz vorm Umziehen habe ich noch schnell ein Foto gemacht…IMG_3079 (2)
Das Bambikleid ist ein Ajaccio von Schnittquelle, das ich uneingeschränkt ermpfehlen kann und schon viele begeisterte Anhängerinnen hat. Vielleicht gibt es ja heute noch das eine oder andere beim MeMadeMittwoch zu sehen? Wer neugierig ist, schaut am besten selbst, was es an Tiermotiven und -mustern so alles gibt.

Projekt Brot und Butter #2

Heute geht es um Stoffe , konkrete Schnitte & Material für das gemeinschaftliche Brot- und Butter-Nähen bei 700Sachen. Sehr weit bin ich nicht gekommen. Allerdings habe ich mir vorgenommen, mein Lieblingsshirt von Schnittquelle, nämlich Auxerre, in mein Brot- und Butter-Projekt zu integrieren. Mein erstes selbstgenähtes Auxerre-Shirt liebe ich nämlich heiß und innig. Allerdings trage ich es gar nicht so häufig, wie ich eigentlich möchte, aus Furcht davor, dass es irgendwann ganz abgeliebt und verwaschen ist. Also ein guter Grund, mir davon noch mehr Exemplare zu nähen. Als langärmliges Jersey-Shirt passt es zudem super in meine Alltagskleidung. Auch wenn ich finde, dass es nicht alltäglich aussieht.

Gesagt, getan! So habe ich dann aus meinem gut abgelagerten Jersey-Vorrat an einem Abend 3 Shirts zugeschnitten (jetzt weiß ich, wie sich Massenproduktion anfühlt – sowas habe ich zuvor auch noch nie gemacht…): aus einem geblümten gold-braunen Schlabber-Jersey, einem 08/15-Viscose-Plaste-Jersey in Weiß, den ich auch schon Ewigkeiten habe und aus einem dunklen Ausbrenner-Jersey mit braunem Samt-Blumen/Rosen-Muster:

Auxerre

Für das weiße Auxerre-Shirt bin ich schon fleißig am Überlegen, wie ich es „aufwerten“ könnte. Der Jersey sieht einfach zu langweilig aus. Bedrucken? Bemalen? Besticken? Wahrscheinlich letzteres. Es wäre auch ein nettes Handarbeitsprojekt fürs nächste Wochenende, an dem wir dem grau-trüben Restwinterwetter entfliehen und uns für ein paar Tage in ein bewährtes Hotel, gar nicht weit von hier, eingebucht haben. Dort werden wir ausgiebig die Therme und das Sektfrühstücksbuffet austesten. In dem Ruheraum zur Sauna kann man auch prima Handarbeiten machen – anstatt zu lesen (- wenn ich schon nicht am summer shawl knit along mitmache…).

Wenn der Näh-Flow noch anhält, habe ich noch ein paar kurzärmlige T-Shirts auf meiner Projektliste. Und zwar wollte ich schon lange mal mein Burda-Schlauchkleid als T-Shirt nähen und auch das Ajaccio-Kleid als T-Shirt-Variante testen. Außerdem habe ich noch den T-Shirt-Schnitt Fanö, den ich noch nicht probiert habe.

T-Shirt2

Erprobte Jerseykleider als Shirts zu nähen kommt mir Nähschnecke sehr gelegen: es dauert mir nämlich immer viel zu lange, die Schnitte zu kopieren und zu testen, ob sie auch so passen. Die besagten Kleider sind bereits genäht und für gut befunden. Das sollte klappen. Stoffe dafür liegen auch genügend in meinem Stoffvorrat. Von daher ist das Brot-und-Butter-Projekt ideal für mich zum Abbau meines Stoffberges!

Nix desto trotz habe ich mir fest vorgenommen, meine T-Shirt-Projektsammlung irgendwann doch noch in Angriff zu nehmen.

So, jetzt gehe ich mich mal auf den letzten Drücker verlinken und hier gucken, wie weit meine Mitstreiterinnen denn gekommen sind.

Mantel mit Geschichte…

… oder wie ein französischer Fliegermantel ein Familienerbstück wurde.

Kragen_außen

Ich habe schon überlegt, ob ich den Besitz und den Mantel selbst hier auf meinem Blog dokumentiere und ob er von Interesse ist. Ehrlich gesagt, bin ich ein wenig befangen, wenn ich daran denke, dass er aus dem letzten Krieg stammt. Aber vielleicht ist er interessant genug für alle, die sich für die historische Machart von Kleidung interessieren.

Anstoß zu diesem Blogbericht gab mir Alex, die (immer neugierig und offen für Inspirationen) nach dem Mantel fragte, den ich auf Twitter erwähnt habe. Also hier nun eine kleine Dokumentation mit vielen Fotos zu dem Mantel, bei der ich hoffe, alle nähtechnisch interessanten Details eingefangen zu haben.

Doch erst ein paar Worte, wie ich überhaupt zu dem Ding gekommen bin und die Geschichte dazu: Angeblich hat mein Großvater väterlicherseits den Mantel von einem Aufenthalt in Frankreich mitgebracht. Ich weiß nicht, ob er ihn selbst getragen hat. War ja schwierig die Zeit damals. Später trug mein Paps den Mantel beim Motorradfahren. Danach hat ihn mein Bruder getragen, ebenfalls zum Motorradfahren oder „um auf die Piste“ zu gehen. Später, als die ersten Freunde mich zu Ausflügen mit dem Motorrad abholten, wurde ich von meinen Eltern mangels Lederkluft in diesen Mantel „gesteckt“. Als ich mit 22 von zu Hause auszog, habe ich ihn dann bekommen und bin in ihm mit dem Rad zur Uni gefahren, bevor die atmungsaktiven, regendichten Klimamembran-Regenjacken auf den Markt kamen.

Ehrlich gesagt: der Mantel ist mir mit 2,5 Kilogramm viel zu schwer und viel zu groß für mich. Ursprünglich gehörte noch ein Gürtel dazu. Ich habe ihn jetzt aber nicht mehr gefunden. Wahrscheinlich ist er morsch und brüchig geworden und wurde entsorgt. Vom Komfort ist der Mantel recht steif durch das dicke Leder. Ist man aber erstmal drin, kann man darin wohnen (und ein wenig Fitnesstraining absolvieren…).

Meine Eltern und mein Bruder hatten mich immer wieder darauf hingewiesen (vorausblickend, dass der Mantel in der Öffentlichkeit etwas Aufsehen erregen könnte), dass es sich bei dem Mantel nicht um einen Mantel der Wehrmacht handelt, da mehrere Merkmale absolut dagegen sprechen (Nähnerds sehen das): 1. die Farbe (dunkles Rehbraun), 2. die Länge (er ist zu kurz, die graugrünen Dinger der Deutschen waren länger, damit der Saum nicht über den Stiefelschäften hängen blieb) und 3. natürlich der Raglan-Schnitt, der typisch für die Franzosen ist.

Aber jetzt zum Mantel. Ich hoffe, ich konnte spannende Details auf die Fotos bannen (Klick auf die Fotos vergrößert).

Hier die Vorder- und Rückseiten des Mantels, außen und innen:

Mantel_vorn_hinten_Futter

Der Kragen außen und innen sowie die Kragenschnalle:Kragen_komplett

Originalknopf, Knopfloch von außen und von innen:

Knopf_Loch

Schnalle zur Regulierung der Ärmelweite unten:

Aermelschnalle_auf_zu

Die Brusttasche (Knopf ist ab, wie man sieht…):

Brusttasche_komplett

Der Futterstoff (Wollgarbadine?), abgewetztes Futter unten am Saum und Stückelung des Belegs innen:Futter_Beleg

 

Hübsche Druckknöpfe am Kragen, jeweils Vorder- und Rückseite – mit Verzierungen:

Druckknoepfe_komplett

Seitentasche(n), Ärmelschnitt (einteilig) von außen und innen (Ärmelfutter schon aus „Flutschstoffmaterial“ mit Handstichen):Tasche_Aermel

Man sieht, das der Mantel „echt vintage“ ist, teilweise bröckelt die Farbe (man sieht’s an den dunklen Pünktchen an den Fingern), das Leder ist an manchen Stellen brüchig oder durchgewetzt und das Futter teilweise durchgeschubbelt oder an einigen wenigen Stellen geflickt. Ich hatte ihn auf dem Dachboden aufbewahrt, was nicht optimal ist – ich weiß. Daher habe ich ihn erstmal wieder ordentlich mit Lederseife behandelt. Insgesamt macht das Leder für das Alter aber noch einen recht guten Eindruck.

Dass ein solcher Mantel teilweise Bestandteil einer Militaria-Sammlung ist, stimmt mich nicht gerade glücklich (ich habe damit wirklich nix am Hut), zeigt aber, dass die überlieferte Herkunft wohl stimmt. Hier ein Foto aus einem französischen Forum – der Mantel vorne rechts sieht genauso aus wie meiner.

Museum_QuelleIch weiß nicht, was ich nun mit dem Mantel machen soll (wie gesagt: er ist eigentlich zu schwer, zu groß und zu unhandlich) – vielleicht eine Tasche draus nähen? Keine Ahnung. Ich werde ihn wohl noch mit Lederfett behandeln und wieder weghängen.

Verkaufen werde ich ihn nicht.

So, ich hoffe, ich konnte ein wenig Einblick in ein historisches (nicht ganz unbelastetes) Kleidungsstück geben, das ich – was die Machart betrifft und jetzt wo ich selber nähe – mit ganz neuem Blick betrachte.

Wir basteln aus einem PDF ein jpg …

… zum Plotten.

Schade, schade. Eigentlich wäre jetzt hier ein kleines Tutorial zu lesen gewesen, wie man mit im Netz erhältlicher Freeware aus PDF-Schnittmustern eine Datei bastelt, die man zum professionellen Plotten schicken kann. Das hätte allen interessierten Nähbegeisterten Papier, Druckerfarbe und vor allem Zeit und Mühe gespart.

Es war eine einfach beschriebene Schritt-für-Schritt-Anleitung, die sicherlich einigen weitergeholfen hätte und aus einer angeregten Online-Diskussion unter den Nähnerds entstanden ist.

Blöderweise habe ich für das Tutorial an dieser Stelle screenshots abgebildet, die das Vorgehen am Beispiel des Schnittmusters Toni von Milchmonster zeigten. Es war halt gerade zur Hand.

Zu blöd. Großer Fehler!

Im Eifer des Gefechts habe ich nämlich vergessen darauf hinzuweisen, von wem dieses im Netz allseits bekannte Schnittmuster stammt. Das hat lange Zeit niemanden gestört. Bis jetzt jemand die Urheberin des Schnittmusters auf diesen Umstand aufmerksam gemacht hat. Oder sie selbst es entdeckt hat.

Nun gut. In der Nähszene, in der ich unterwegs bin (Achtung insider: „Bussi-Bussi-Nähblogger“) hätte man vielleicht folgendermaßen darauf reagiert:

„Hallo! Ich habe gesehen, dass Du für Dein Tutorial mein Schnittmuster verwendest. Allerdings hast Du vergessen, dafür die Quelle und mich als Urheberin anzugeben. Ich bin mir sicher, dass dies nicht aus böser Absicht geschehen ist und Du es schnell nachholst.  Ansonsten freue ich mich, dass Dir mein Schnittmuster gefallen hat und Du hier ein wenig Werbung für mich machst. Vielleicht könntest Du noch einen Link zu meinem Shop setzen? Das wäre nett. Weiterhin fröhliches Nähen wünscht Dir Antonia von Milchmonster!“

Aber das Leben ist kein Ponyhof. Stattdessen wurde mir mit Rechtsanwalt und Abmahnung gedroht.

Das Urheberrecht ist eine gute Sache, da es davor bewahren soll, dass der Urheber wirtschaftlichen Schaden erleidet oder geistiges Eigentum verunglimpft wird. Beides ist durch mein Tutorial nicht geschehen. Daher halte ich diese Reaktion für unverhältnismäßig und überzogen.

Es gibt immer wieder Beispiele im Netz zu lesen, wo für Nichtigkeiten auf privaten, unkommerziellen Blogs mit rechtlichen Schritten gedroht wird. Über die Motivation für solches Verhalten kann man nur spekulieren…

Ich bin überzeugt, dass man respektvollen, höflichen Umgang jederzeit lernen kann. Die persönliche Größe, auch mal über den Dingen zu stehen, dagegen hat man – oder eben nicht.

Schade eigentlich.

 

Wer es dennoch selbst versuchen möchte: hier gibt es den PDF24Creator kostenlos bei CHIP.de
Mit ihm kann man recht einfach PDF-Dokumente bearbeiten.

PDF24_Creator

Das kostenlose Bildbearbeitungsprogramm GIMP gibt es ebenfalls als Download bei CHIP.de
Dort kann man die PDFs aus dem PDF24 Creator einfügen und das Schnittmuster zusammenfügen und daraus eine einzige Datei erzeugen, abspeichern und dann zum Plotten geben.
Mehr Infos und Erfahrungsberichte zum Plotten von Schnittmustern gibt es noch hier:

Drehumdiebolzeningenieur
crafteln 

Ach, und falls mir noch jemand ein Beispiel-Schnittmuster inklusive Veröffentlichungsrechte zur Verfügung stellen mag, anhand dessen ich das Vorgehen noch einmal zeigen kann, würde ich mir wahrscheinlich sogar noch einmal die Arbeit einer Tutorialerstellung machen. Natürlich würde ich auch die Quelle und Urheber dafür angeben und selbstverständlich einen Link zum Shop setzen.

(Diesen Blogbeitrag habe ich aus Gründen am 02. Juni 2016 aktualisiert)

Mini-Upcycling-Projekt „Fritzchen“ 2.0

KissenSeit Jahr und Tag habe ich zum Schlafen dieses kleine Kopfkissen, das immer auf das große Kopfkissen gehört. Es hat sogar einen eigenen, mehr oder minder offiziellen Namen: „Hansl“ oder „Fritzchen“ wird es von manchen genannt… Ohne dieses Kissen geht das Einschlafen bei mir ganz, ganz schlecht, so dass ich es auch mit auf jede Reise und auch mit ins Hotel muss. Und seit ich mich dran erinnern kann, gehört darum ein richtiger Bezug, der Bettzeugcharakter hat – also feste Baumwolle und nicht so’n Deko-Kissen-Zeug.

Da ich aber noch nie wissentlich einen solchen Bezug in einem Geschäft gesehen habe, musste ich die wenigen Bezüge zum Wechseln, die ich von zu Hause mit bekam, sorgsam pflegen und flicken. Und irgendwann musste was Neues her – also half nur selber nähen.

Als Ausgangsmaterial diente mir für die 1.0-Version ein alter Kissenbezug eines uralten, aber heißgeliebten Bettzeugs mit typischem 70er-Jahre-Muster. Da dieser bereits über die passende Knopfleiste verfügte, ging das Nähen recht einfach: zuschneiden und flugs ringsrum genäht: voilá – 2 neue Bezüge!

Da diese nun aber auch sehr in die Jahre gekommen und durchscheinend geworden sind, wurde es höchste Zeit für eine Neuauflage. Das sorgsam gehütete 70er-Jahre-Bettzeug, das auf keines unserer Inletts mehr passt, musste dran glauben und ergab 3 schöne, neue Bezüge. Dieses Mal mit französischer Naht genäht, so dass auch nix auftrieselt.

Jetzt kann ich mein müdes Haupt wieder auf mein schick bezogenes „Fritzchen“ betten. Ich mag den Stoff sehr, da er mit vielen Kindheitserinnerungen verbunden ist. Und ich freue mich, dass der Bezug noch sinnvolle Verwendung gefunden hat. Hoffentlich reicht der Rest noch für viele weitere „Fritzchens“… dann aber vielleicht mit einer Nähmaschine genäht, die auch mal Knopflöcher kann.

Fritzchen_2

Und sonst? Noch mehr „Fritzchen“- oder „Hansl“-Fans hier?

Queste-Faktor:
Nähen: das Kissenprojekt habe ich leicht unterschätzt und bei einem Bezug die erste der französischen Nähte erstmal auf links angefangen, was blöde Auftrennarbeit zur Folge hatte…
Glücksfaktor: eindeutig ja, mit echtem Nostalgie-Moment, jeden Abend vorm Einschlafen
Wiederholungsfaktor: sobald die Kissen wieder fadenscheinig geworden sind…

Bei mir geht noch so einiges…

Mit Interesse verfolge ich (meist als stille Mitleserin) die ab und zu hochbrodelnden Diskussionen in der Nähnerdgemeinschaft. Zum Beispiel, was Selbermachen/-nähen mit Feminismus zu tun hat oder wie gerade aktuell: Überlegungen zum vernunftbetonten Nähen für den Alltag gegenüber dem lustbetonten Prachtnähen von Kleidung, die wahrscheinlich kaum getragen wird, hier, hier und hier nachzulesen.

Meine Nähkünste sind ehrlich gesagt noch viel zu ungeübt, als dass ich mich bewusst für eine Richtung entscheiden könnte. Ich sehe mich eher als „experimentelle Anfängerin“. Ich weiß nämlich noch gar nicht, was meine Nähmaschine und ich so bewerkstelligen können (außer Zickzack- und Geradstich) und nähere mich dem Nähen immer noch recht unbedarft und probiere aus. Bis jetzt habe ich die Grundtechniken des Kleidungsnähens erst höchst oberflächlich angekratzt und bin der Meinung, dass da noch so einiges geht, bevor ich vom ‚Näh-Rookie‘-Status zum halbwegs fortgeschrittenen Nähnerd mutiere. Für mich daher eine gute Gelegenheit einmal zu überlegen, was ich bisher ausprobiert habe und welche Techniken und Kenntnisse ich mir noch aneignen möchte.

da_geht_noch_was Hier daher hier meine ganz persönliche, ungeordnete, unvollständige Liste…:

Materialien:

  • Jersey (diverse: Plastik, Baumwolle, Viskose)
  • Leinen
  • Baumwollwebstoff
  • Chiffon (Plastik, Naturmaterialien)
  • Samt
  • Seersucker
  • Funktionsstoff
  • Seide
  • Spitze
  • Brokat
  • Jacquard
  • Bouclé
  • Tüll
  • Walk

Projekte, Schnitte:

  • T-Shirt
  • Webstoffshirt
  • Jersey-Kleid
  • Webstoff-Kleid (gefüttert, ungefüttert)
  • Blazer (gefüttert, reverslos, mit Revers, mit Stehkragen)
  • Regenjacke/-mantel
  • Hose
  • Jeans
  • Weste (nach Schnitt)
  • Bleistiftrock
  • Jumpsuit
  • Coulotte/Hosenrock
  • Bluse mit Kragen
  • Tagesrucksack (jawoll!)
  • Untendrunters…
  • Chinadress

Techniken:

  • Schrägband (herstellen, annähen, von Hand, Maschine)
  • Französische Naht
  • Reißverschluss einnähen (von Hand, Maschine)
  • Paspel
  • Rock mit mit Schrägband versäubern
  • Smoken (Maschine, von Hand)
  • Paspeltasche
  • Paspelknopfloch
  • Knopflöcher (Maschine, von Hand)
  • Schnitt vergrößern, verkleinern
  • SBA, falls notwendig (*hust*)
  • Ärmel für ärmelloses Oberteil konstruieren (überhaupt: Tulpen, Flügel, Puff…)
  • Kleideroberteil mit Rockteil eines anderen Schnitts kombinieren
  • Untertritt???
  • Ärmelschlitz vom Blusenärmel
  • Saum abkurbeln
  • Karos richtig nähen
  • Drappierung
  • ein Alabama Chanin Projekt
  • das Puzzle-Pattern-Dress von studio faro konstruieren & nähen

Angesichts dieser Liste zähle ich mich wirklich noch zu den Näh-Anfängerinnen. Ich weiß, einiges auf der Liste ist banal und hängt vom Kleidungsstück ab, andere Sachen sind für mich absolute Wunschprojekte wie die Regenkleidung und dann sind da noch so Hirngespinste, wie das Puzzle-Pattern-Dress – einfach nur um zu gucken, dass es möglich ist.

Einige Techniken habe ich einfach noch nicht ausprobiert, weil mir z.B. passende Nähfüße für meine alte Singer fehlen. Wobei der Hauptgrund aber eigentlich ist, dass ich noch gar nicht so viel genäht habe und ich eher eine Nähschnecke bin, als dass ich in Serie ein Kleidungsstück nach dem nächsten produzieren könnte (Denn auch darüber gibt es so manche schlaue Gedanken…). Und da bei mir immer noch alles relativ neu und unbekannt ist, sind Stoffe und Schnitte dabei, die so gar nicht zu mir passen, wiederum andere, die mein Herz im Sturm erobern. Und zwischendurch frage ich mich, ob das alles in Gänze zu mir passt – aber zum Glück ist es ja in erster Linie ein Hobby und ja; in zweiter Linie eine Haltung zur Konsum- und Modewelt (zumindest bei mir).

Nähen für Kopf oder Herz darf ja zum Glück – und von Projekt zu Projekt – jeder selbst entscheiden. Und Hobbies produzieren zuweilen die unglaublichsten Dinge, wie man weiß…