Nähnerdklassenfahrt nach Berlin

Hast Du Lust, nach Berlin zu fahren? An den sagenumwobenen Ständen des Maybachufers (um die ich die Berlinerinnen heftigst beneide…) entlang zu schlendern und Stoffe zu kaufen? Nebenher noch den einen oder anderen Näh-Workshop mitzumachen? Und vor allem: das ganze in der guten Gesellschaft mindest ebenso (verrückt) nähbegeisterter Frauen?

Alex, was für eine Frage! Und ein Angebot, das man wirklich nicht ablehnen konnte.

Mit nahendem Abfahrtstermin wurde es jedoch zusehends schwerer, der nichtnähenden Umwelt die Nähnerdklassenfahrt irgendwie zu erklären. Ja, es geht ums Nähen – aber nein: die Nähmaschine bleibt hier. Ja, ich kenne einige persönlich von der AnNÄherung (ja, die AnNäherung, das ist…) – aber nein: alle kenne ich nicht, aber das kann man ja ändern.

Nun denn, es erwartete mich ein tolles Wochenende in der Jugenbildungsstätte Kaubstraße. Hin ging es mit der DB. Trotz formidabler Verspätung kam ich dennoch pünktlich um 12 Uhr am Berliner HBF an, wo der erste Treffpunkt war und Alex uns erwartete.

Darauf folgte ein Highlight nach dem nächsten… (hier nun eine kleine Auswahl meiner persönlichen Eindrücke ohne Anspruch auf  Vollständigkeit – manchmal habe ich einfach nur genossen und nicht fotografiert).

Lustwandeln und Stoffegucken am Maybachufer. Alternativ ging es am Freitag für einige andere zum Stoffeshoppen bei Hüco…
(Wobei die geneigte Stoffsüchtige auch gerne mehrfach das Maybachufer bewanderte, nämlich am Freitag UND Samstagvormittag), nebst Einkehr in der urig-gemütlichen Ankerklause nebenan.
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Mit meiner Beute bin ich recht zufrieden: blau melierter Wollstrickstoff, 2 x Jerseys (brombeer + braun), hellblauer Baumwollstoff, brauner wasserabweisender Funktionsstoff (3 €/m) und bedruckter Jersey. Hinzu kamen Vietnamesischer Zimt, den mir langsame Schildkröte wärmstens empfohlen hatte (er schmeckt scharf und süß, ein echter Geheimtipp!) und Lokum. Ich hätte noch viel mehr kaufen können, aber irgendwie musste ja alles in den Rucksack rein.
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Am Freitag Abend gab es vor dem Abendessen den Schnittanpassungskurs mit Regine Hielscher-Gotenbach, der einem an dem langen Tag doch einiges an Aufmerksamkeit abverlangt hat. Ich war wirklich etwas erledigt, dafür verfüge ich jetzt über einen perfekt angepassten Stehkragenblusenschnitt.

Am Samstag Vormittag besuchten wir die Modeausstellung im Kunstgewerbemuseum, in dem am selben Tag das Schneideratelier eröffnet wurde
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Krönender Abschluss des Samstags: leckeres Abendessen im Osmanya
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Sonntag Vormittag: Alabama Chanin-Kurs mit Constanze und Antje – ich bin schwer angefixt…
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Die Abreise kam dann doch irgendwie recht früh, die Zeit ist wie im Flug vergangen…
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Aber zum Glück konnte man ja viele neue Eindrücke, Bekanntschaften, Fertigkeiten und neues Nähwissen mit nach Hause nehmen und sogar noch auf dem Heimweg in der Bahn praktisch anwenden.
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Ach ja, schön war es!

Am Programm, Umfang und am timing gibt es nix zu meckern. Für leckeres Essen nebst Kaffee & Kuchen war gesorgt, wir konnten aus vielen Frühstückszutaten (Brötchen, Wurst, Käse, pipapo nebst Müslis, Milch und Sojamilch, Joghurt + Obst) wählen, ein Lunchpaket für den Samstag zusammenstellen, es standen Mineralwasser und Schüsseln mit Obst bereit, und last but not least: abends sorgten Wein und (nachdem ein Korkenzieher an Land gezogen wurde) auch Sekt für einen heiter-beschiggerten Tagesausklang.
Die Dozentinnen waren gut ausgewählt (wobei ich in dem Kurs „Der perfekte Reverskragen“ am liebsten die Dozentin geklaut hätte…) Eigentlich hatte ich geschwächelt und dafür nix vorbereitet, aber mich einfach dazu gesetzt – der Kurs war wirklich klasse!

Mein Dank geht an Alex, die alles super organisiert und tolle Ideen für das Wochenendprogramm und die Kurse hatte und an alle Teilnehmerinnen, die einem so freundlich und offen begegneten. Es war ein von Anfang bis Ende gelungenes Wochenende, an dem man nix hätte besser machen können (und wenn, wäre es wirklich meckern auf hohem Niveau…).

Queste-Faktor:
Wochenende: anstrengend, inspirierend, anregend, abwechslungsreich – einfach toll
Glücksfaktor: riesig! Es ist einfach toll, mit Gleichgesinnten ein so schönes Wochenende zu verbringen
Wiederholungsfaktor: oh ja, bittebittebitte…

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AnNÄHerung, die dritte

Was macht man, wenn der Januar schon gestartet ist, aber man mit dem neuen Jahr noch etwas „fremdelt“? Ganz klar, man sucht sich etwas, das dem Jahresbeginn ein wenig Zauber verleiht und ein paar Glücksmomente schenkt, die hoffentlich noch lange anhalten und einen über die nächsten grauen, kalten und regnerischen Wintermonate tragen. Etwas mit netten Gesprächen, neuen Erkenntnissen und Horizonterweiterungen und ganz viel Nähnerdflausch. Sprich: die AnNÄHerung in Bielefeld!

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In weiser Voraussicht (und weil es soooo schön ist), hatte ich rechtzeitig meine Anmeldung einreichen und bis zu dem Wochenende alle Erkältungsviren erfolgreich in Schach halten können. Und so konnte ich von Freitag Abend bis Sonntag Mittag mit 37 netten Mitstreiterinnen gemeinsam in der Bielefelder Jugendherberge von morgens bis abends nähen und an meinem ‚Herzensprojekt‘ arbeiten. Etwas, was so überhaupt nicht zu mir und meinem Alltag mit viel Fahrrad fahren passt: einen Maxi-Rock, und zwar „Fumeterre“ von Deer & Doe.

(Wobei: aus wasserabweisenden Outdoor-Stoff genäht, könnte ich ihn im Fall einer Fahrradpanne als Notzelt benutzen…). Mein Zweitprojekt für die ambitionierte Nähschnecke habe ich nicht mehr anfangen können: die Bluse „Aster“ von Colette Patterns – die hole ich sicherlich einmal nach.

Bewährt und auch dieses Mal dabei: die Projekt-Wand mit vielen tollen Inspirationen:

Projektwand

Die klassische Mischung aus konzentriertem Arbeiten, Hand- und Maschinennähen, Fachsimpeln und viel gegenseitiger Unterstützung:

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Profis nähen zum Abend hin vermehrt mit „Näh-Beschleuniger“:

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Die Abschlusspräsentation dieses Mal in bunter Projekt-Zusammenfassung: Mäntel und Jacken, Kleider, Hosen, Oberteile, Röcke. Es gab sogar die Kategorie „Näh-Streber“ – nämlich Teilnehmerinnen, die mehr als 3 Teile genäht haben… (als echte Nähschnecke komme ich angesichts solch‘ Produktivität aus dem Staunen nicht heraus!):

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Mein Rock ist sogar fertig geworden. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Zumal mich meine Nähnachbarin, Frau Wildnaht, am Samstag Abend, als ich schon nicht mehr geradeaus gucken konnte, durch die Bedienungsanleitung für die Knopfloch-Funktion geführt hat. Nach 4 Probe-Knopflöchern konnte ich meinen neuen Rock mit 11 wunderschönen Knopflöchern schmücken.

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Wie man die „Mantel-Automatik“ freischalten kann (sprich: Stoff auf die NähMa werfen, Automatik aktivieren, fertigen Mantel hervorziehen), hat sich uns leider nicht erschlossen. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass man erst 2 Jahre und ca. 150 Knopflöcher genäht (oder 500 Bonuspunkte erzielt) haben muss, bevor diese Funktion auf dem nächsten Level frei geschaltet wird.

So gut mir mein Rock gefällt, so unzufrieden bin ich mit dem Schnittmuster. Die Änderungen habe ich bei meinem Beitrag zum Me Made Mittwoch hier beschrieben. Doch genug Gemecker: hier nun noch schnell ein Rock-Foto aus dem verschneiten Garten – in superschicken Filzlatschen…

Rock

Mein ganz großer Dank geht an die drei Organisatorinnen des wunderschönen Näh-Wochenendes: Susi, Alex und Miriam – es war wieder ein tolles Wochenende! Und mehr Berichte dazu gibt es hier zu lesen.

 

Queste-Faktor:
Nähen: auf etwas beengtem Platz aber mit sehr viel Nähnerd-Flausch und netten Gesprächen! Nicht zu vergessen: die gegenseitige Hilfe, die mich gerade beim Knopfloch-Nähen mächtig nach vorn gebracht hat…
Glücksfaktor: definitiv! Es war sehr schön!
Wiederholungsfaktor: Hoffentlich!

Mini-Upcycling-Projekt „Fritzchen“ 2.0

KissenSeit Jahr und Tag habe ich zum Schlafen dieses kleine Kopfkissen, das immer auf das große Kopfkissen gehört. Es hat sogar einen eigenen, mehr oder minder offiziellen Namen: „Hansl“ oder „Fritzchen“ wird es von manchen genannt… Ohne dieses Kissen geht das Einschlafen bei mir ganz, ganz schlecht, so dass ich es auch mit auf jede Reise und auch mit ins Hotel muss. Und seit ich mich dran erinnern kann, gehört darum ein richtiger Bezug, der Bettzeugcharakter hat – also feste Baumwolle und nicht so’n Deko-Kissen-Zeug.

Da ich aber noch nie wissentlich einen solchen Bezug in einem Geschäft gesehen habe, musste ich die wenigen Bezüge zum Wechseln, die ich von zu Hause mit bekam, sorgsam pflegen und flicken. Und irgendwann musste was Neues her – also half nur selber nähen.

Als Ausgangsmaterial diente mir für die 1.0-Version ein alter Kissenbezug eines uralten, aber heißgeliebten Bettzeugs mit typischem 70er-Jahre-Muster. Da dieser bereits über die passende Knopfleiste verfügte, ging das Nähen recht einfach: zuschneiden und flugs ringsrum genäht: voilá – 2 neue Bezüge!

Da diese nun aber auch sehr in die Jahre gekommen und durchscheinend geworden sind, wurde es höchste Zeit für eine Neuauflage. Das sorgsam gehütete 70er-Jahre-Bettzeug, das auf keines unserer Inletts mehr passt, musste dran glauben und ergab 3 schöne, neue Bezüge. Dieses Mal mit französischer Naht genäht, so dass auch nix auftrieselt.

Jetzt kann ich mein müdes Haupt wieder auf mein schick bezogenes „Fritzchen“ betten. Ich mag den Stoff sehr, da er mit vielen Kindheitserinnerungen verbunden ist. Und ich freue mich, dass der Bezug noch sinnvolle Verwendung gefunden hat. Hoffentlich reicht der Rest noch für viele weitere „Fritzchens“… dann aber vielleicht mit einer Nähmaschine genäht, die auch mal Knopflöcher kann.

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Und sonst? Noch mehr „Fritzchen“- oder „Hansl“-Fans hier?

Queste-Faktor:
Nähen: das Kissenprojekt habe ich leicht unterschätzt und bei einem Bezug die erste der französischen Nähte erstmal auf links angefangen, was blöde Auftrennarbeit zur Folge hatte…
Glücksfaktor: eindeutig ja, mit echtem Nostalgie-Moment, jeden Abend vorm Einschlafen
Wiederholungsfaktor: sobald die Kissen wieder fadenscheinig geworden sind…

AnNÄHerung 2015

Hier noch eine Nachbetrachtung zu dem tollen Nähwochenende. Zuvor jedoch erst einmal einen großen Dank an Mama macht Sachen, Alle Wünsche werden wahr und drehumdiebolzeningenieur für die tolle Organisation – es hat alles prima geklappt und war ein großes Vergnügen, wieder mit dabei sein zu dürfen!

 

Kaum zu glauben – sieht aus wie die Türen einer Jugendherberge, ist aber in Wirklichkeit der Eingang ins Näh(Nerd)ParadiesIMG_0998

Projekt-Steckbriefe fürs Wochenende Projekte

Nähnerds in ihrem Element: nähen & quatschen – ich meine fachsimpelnNaehen

Noch mehr Fachsimpelei IMG_1026

Ja, es stehen zwar Maschinen herum, aber es wurde auch viel von Hand genäht Handarbeit

Ich weiß echt nicht, was die haben… sieht doch gar nicht aus wie eine DampfmaschineIMG_1005

Die stand woanders:AnN4

Abschlusspräsentation (ich habe nicht alle „erwischt“, der Akku von der Kamera war kurz vor dem Geistaufgeben und konnte nicht so schnell scharf stellen, deshalb musste ich einige Fotos mit verwischten Nebelschwaden raussortieren.)

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Und hier noch 5 Dinge, die ich bei der AnNÄHerung 2015 gelernt habe:

  1. Auch wenn man die totale Kontrolle über Passform und Platzierung der Seitennähte hat, wird sich doch (und kaum zu glauben) über Diät unterhalten.
  2. In diesem Sinne: Schokoladenkekse mit Kürbis sollten zu einem Grundnahrungsmittel erklärt werden.
  3. Nähvorlieben werden (wohl auch) von der Oberweite bestimmt.
  4. Individuelle Kleidung zu nähen bedeutet nicht, dass man nicht auch (Nähnerd-) Moden  folgen und Lemming-Kleider nähen darf.
  5. Man kann auch gleich die passende Tasche zum Kleid nähen.

Mein eigentliches Nähprojekt, mein „Traum-Fahrrad-Regenmantel“ habe ich kurz vor dem Wochenende verschoben (hier schon berichtet) und mir dafür zwei anfängerfreundliche Jersey-Nähprojekte ausgesucht: das Kleid „Marl“ von Schnittquelle und als Zweitprojekt das burda „Wasserfall-“ oder Drapée-Shirt 113 aus 02/2013. So richtig zufrieden bin ich nur mit letzterem, was ich hier ja bereits beschrieben habe. „Marl“ werde ich mir aber noch mal vorknöpfen.

Und noch mehr glücksbeseelte Berichte von der AnNÄHerung 2015 gibt es hier bei Mama macht Sachen zu lesen. Viel Spaß!

Queste-Faktor:
Nähen: unterhaltsam, lustig, manchmal etwas ablenkend, wenn man zuviel guckt und quatscht, aber das soll ja so. Wenn man sich zusammen reißt, bekommt man als Anfängerin doch zwei Jerseyteile fertig
Glücksfaktor: jajaja! Ein ganzes Wochenende unter Gleichgesinnten setzt Endorphine frei und motiviert ungemein. Zur Auffrischung werde ich das Jahr über immer wieder in den vielen AnNÄHerungsberichten stöbern gehen.
Wiederholungsfaktor: ich hoffe doch! Ich bin gerne wieder dabei. Vielleicht dann doch mit meinem Mantelprojekt, falls ich das nicht schon vorher verwirkliche.

Glücksmoment…

links die Vorlage, rechts der gefundene Schnitt dazu

 

…wenn man nach langer Zeit endlich einen Schnitt findet, den man schon gaaaaanz lange gesucht hat.

So geschehen mit einem Modell, das ich auf der Webseite eines niederländischen Stoffanbieters gesehen habe.

Da dort auch Schnitte angeboten werden, habe ich also nachgefragt, ob ich ihn dort erwerben oder zumindest Informationen erhalten könnte, um welchen Schnitt es sich handelt. Ich erhielt auch kurze Zeit später Antwort, dass der Schnitt leider nicht im Angebot sei und sie mir auch nicht sagen könnten, um welches Modell es sich handelt.

Ja, nun gut, kommt vor im Leben – man kann nicht alles haben. Aber das Modell ging mir nicht aus dem Kopf und spukte weiterhin bei den „hach, das wäre doch schön, wenn-Nähprojekten“ herum.

Nun habe ich kürzlich entdeckt, dass ein ganz, ganz ähnlicher Schnitt aus dieser „Quelle“ hier erhältlich ist! Und ich muss sagen, das sieht doch seeeeehr ähnlich aus! Nicht wahr?

Und nein, ich habe es noch nicht bestellt. Die Vorfreude darauf reicht mir zurzeit völlig und es gibt ja noch andere Projekte, die eher dran sind…

Glücksmoment

GlücksmomentGestern, am ersten, lauen Spätfrühlings- und fast schon Sommerabend nach einem Arbeitstag im dunklen Kellerbüro auf der Terrasse zu sitzen und die Fäden vom aktuellen Nähprojekt zu vernähen.

Auch wenn das vorliegende Nähprojekt eher in die Kategorie „Pleiten, Pech und Pannen“ einzusortieren ist, kann es die Freude über den lauen Abend nicht trüben.

Und ja: es handelt sich um den Stoff, den ich anlässlich des tollen Nähnerd- und Bloggertreffen in Bielefeld letztens beim Marc Aurel Werksverkauf in Verl erstehen konnte – auch wenn er nur noch wenig mit Muriels Blogfoto oder dieser Ansicht zu tun hat. Warum das Gesamtprojekt ein „PPP“ Prädikat erhalten hat, verrate ich gerne ein anderes Mal.