Vom Weihnachts- zum Osterkleid

Oster_HarrietWie es aussieht, scheinen Kleider nur an hohen Festtagen in mein Leben zu passen. Eine gute Gelegenheit, mein Weihnachtskleid Harriet aus dem Schrank zu befreien, ergab sich für mich somit zu Ostern.

Mit langärmeligen Unterzieh-Shirt und Strumpfhose habe ich mich zum Osterfrühstück mit dem HaLiebsten angemessen festlich und passend gekleidet gefühlt, konnte dem össeligen und grauen Regenwetter einen Farbklecks entgegen setzen und den Tag wechselweise auf dem Sofa oder in reger Vorbereitungsaktivität (für das große Ostermontagsfrühstück mit unseren Freunden samt Kindern und Kegeln) verbringen.

Und noch mehr oder minder festliche Kleidung (vielleicht auch von den vergangenen Ostertagen) – aber wie immer Selbstgenähtes – präsentiert uns heute Gastbloggerin Almut samt ihrem phänomenal-tollem Alabama-Chanin-Jäckchen und Rock-Ensemble heute hier beim MeMadeMittwoch.

 

Brot und Butter #3: Zwischenstand

Mein Brot-und-Butter-Nähen entwickelt sich ganz zu einer kleinen, aber feinen Auxerre Massenproduktion… Ich mag den Schnitt einfach zu gern. Und so teste ich gerade aus, wie er sich in den verschiedenen Materialien nähen lässt. Zur Wahl standen: ein ultra-labbriger, dünner Elastik-Jersey in Braun mit gold-gelben ‚Plühmchen‘, ein fester, wenig elastischer Jersey mit Ausbrenner-Rosen und ein recht dicker, billiger Jersey.

Angefangen mit meiner Massenproduktion habe ich mit Auxerre #1 und dem Ausbrenner-Jersey. Da er sehr fest ist, habe ich eine dünne Jersey-Nadel genommen. Denn schon beim Aufeinanderstecken der Teile habe ich gemerkt, dass meine normalen Stecknadeln manchmal nur unwillig durch den Stoff wollen. Der Ausbrennersamt stoppte noch zusätzlich. Aber zu guter letzt habe ich es fertig bekommen.

Es folgte Auxerre #2 aus dem dünnen Flutsch-Jersey. Irgendwie komme ich mit diesen dünnen, labrigen Stoffen relativ gut klar. Hier habe vor dem Ärmeleinnähen auch noch mal die Nahtlinie an den Schultern geprüft, mit weißem Stift auf links den optimalen Nahtverlauf aufgemalt und festgestellt, dass ich oben an den Schultern gut 2 cm weg nehmen kann – dann habe ich auch weniger Falten neben dem Ausschnitt. Bei beiden Shirts habe ich übrigens wieder den Kragen mit Vlieseline bebügelt, weil ich ihn als echten Stehkragen lieber mag.

Und wie es aussieht, fällt der Schnitt bei den dünnen Jerseys irgendwie netter, figurbetonter. Da der steife Samtrosen-Jersey hinten über dem Podex doch irgendwie zu viel Luft hatte, habe ich mir 2 Abnäher ausgedacht, die schmalste Stelle markiert und somit an der Stelle über der Kiste Weite weg genommen. Man sieht es auf dem Vorher-hinterher-Foto leider nicht so gut, aber das 2. Foto fällt eindeutig taillierter aus. Ich glaube, man sieht, was gemeint ist… oder?

Auxerre_mit_und_ohne_Abnäher

Das Auxerre #3 ist noch in Arbeit. Irgendwie scheint es sehr auf „Krankenhauskittel“ hinaus zu laufen, wenn ich mir nicht schleunigst was einfallen lasse. Bänder auf die Ärmel? Ach nööö. Maschinensticken? Hm, ich weiß nicht. Bedrucken? Hmpf. Wenn ich überhaupt keine zündende Idee habe, kommen Game-of-Thrones-Spiralen auf die Ärmel und Schultern. Das kann ich. So.

Auxerre_Zwischenstand

Und nun gehe ich mich mal schnell auf den letzten Drücker verlinken und schaue mal hier, wie weit meine Mitstreiterinnen sind.

Projekt Brot und Butter #2

Heute geht es um Stoffe , konkrete Schnitte & Material für das gemeinschaftliche Brot- und Butter-Nähen bei 700Sachen. Sehr weit bin ich nicht gekommen. Allerdings habe ich mir vorgenommen, mein Lieblingsshirt von Schnittquelle, nämlich Auxerre, in mein Brot- und Butter-Projekt zu integrieren. Mein erstes selbstgenähtes Auxerre-Shirt liebe ich nämlich heiß und innig. Allerdings trage ich es gar nicht so häufig, wie ich eigentlich möchte, aus Furcht davor, dass es irgendwann ganz abgeliebt und verwaschen ist. Also ein guter Grund, mir davon noch mehr Exemplare zu nähen. Als langärmliges Jersey-Shirt passt es zudem super in meine Alltagskleidung. Auch wenn ich finde, dass es nicht alltäglich aussieht.

Gesagt, getan! So habe ich dann aus meinem gut abgelagerten Jersey-Vorrat an einem Abend 3 Shirts zugeschnitten (jetzt weiß ich, wie sich Massenproduktion anfühlt – sowas habe ich zuvor auch noch nie gemacht…): aus einem geblümten gold-braunen Schlabber-Jersey, einem 08/15-Viscose-Plaste-Jersey in Weiß, den ich auch schon Ewigkeiten habe und aus einem dunklen Ausbrenner-Jersey mit braunem Samt-Blumen/Rosen-Muster:

Auxerre

Für das weiße Auxerre-Shirt bin ich schon fleißig am Überlegen, wie ich es „aufwerten“ könnte. Der Jersey sieht einfach zu langweilig aus. Bedrucken? Bemalen? Besticken? Wahrscheinlich letzteres. Es wäre auch ein nettes Handarbeitsprojekt fürs nächste Wochenende, an dem wir dem grau-trüben Restwinterwetter entfliehen und uns für ein paar Tage in ein bewährtes Hotel, gar nicht weit von hier, eingebucht haben. Dort werden wir ausgiebig die Therme und das Sektfrühstücksbuffet austesten. In dem Ruheraum zur Sauna kann man auch prima Handarbeiten machen – anstatt zu lesen (- wenn ich schon nicht am summer shawl knit along mitmache…).

Wenn der Näh-Flow noch anhält, habe ich noch ein paar kurzärmlige T-Shirts auf meiner Projektliste. Und zwar wollte ich schon lange mal mein Burda-Schlauchkleid als T-Shirt nähen und auch das Ajaccio-Kleid als T-Shirt-Variante testen. Außerdem habe ich noch den T-Shirt-Schnitt Fanö, den ich noch nicht probiert habe.

T-Shirt2

Erprobte Jerseykleider als Shirts zu nähen kommt mir Nähschnecke sehr gelegen: es dauert mir nämlich immer viel zu lange, die Schnitte zu kopieren und zu testen, ob sie auch so passen. Die besagten Kleider sind bereits genäht und für gut befunden. Das sollte klappen. Stoffe dafür liegen auch genügend in meinem Stoffvorrat. Von daher ist das Brot-und-Butter-Projekt ideal für mich zum Abbau meines Stoffberges!

Nix desto trotz habe ich mir fest vorgenommen, meine T-Shirt-Projektsammlung irgendwann doch noch in Angriff zu nehmen.

So, jetzt gehe ich mich mal auf den letzten Drücker verlinken und hier gucken, wie weit meine Mitstreiterinnen denn gekommen sind.

AnNÄHerung, die dritte

Was macht man, wenn der Januar schon gestartet ist, aber man mit dem neuen Jahr noch etwas „fremdelt“? Ganz klar, man sucht sich etwas, das dem Jahresbeginn ein wenig Zauber verleiht und ein paar Glücksmomente schenkt, die hoffentlich noch lange anhalten und einen über die nächsten grauen, kalten und regnerischen Wintermonate tragen. Etwas mit netten Gesprächen, neuen Erkenntnissen und Horizonterweiterungen und ganz viel Nähnerdflausch. Sprich: die AnNÄHerung in Bielefeld!

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In weiser Voraussicht (und weil es soooo schön ist), hatte ich rechtzeitig meine Anmeldung einreichen und bis zu dem Wochenende alle Erkältungsviren erfolgreich in Schach halten können. Und so konnte ich von Freitag Abend bis Sonntag Mittag mit 37 netten Mitstreiterinnen gemeinsam in der Bielefelder Jugendherberge von morgens bis abends nähen und an meinem ‚Herzensprojekt‘ arbeiten. Etwas, was so überhaupt nicht zu mir und meinem Alltag mit viel Fahrrad fahren passt: einen Maxi-Rock, und zwar „Fumeterre“ von Deer & Doe.

(Wobei: aus wasserabweisenden Outdoor-Stoff genäht, könnte ich ihn im Fall einer Fahrradpanne als Notzelt benutzen…). Mein Zweitprojekt für die ambitionierte Nähschnecke habe ich nicht mehr anfangen können: die Bluse „Aster“ von Colette Patterns – die hole ich sicherlich einmal nach.

Bewährt und auch dieses Mal dabei: die Projekt-Wand mit vielen tollen Inspirationen:

Projektwand

Die klassische Mischung aus konzentriertem Arbeiten, Hand- und Maschinennähen, Fachsimpeln und viel gegenseitiger Unterstützung:

Naehen1_bearb

Naehen2

Profis nähen zum Abend hin vermehrt mit „Näh-Beschleuniger“:

NaehBeschleuniger_bearb

Die Abschlusspräsentation dieses Mal in bunter Projekt-Zusammenfassung: Mäntel und Jacken, Kleider, Hosen, Oberteile, Röcke. Es gab sogar die Kategorie „Näh-Streber“ – nämlich Teilnehmerinnen, die mehr als 3 Teile genäht haben… (als echte Nähschnecke komme ich angesichts solch‘ Produktivität aus dem Staunen nicht heraus!):

AbschlussPraesentation

Mein Rock ist sogar fertig geworden. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Zumal mich meine Nähnachbarin, Frau Wildnaht, am Samstag Abend, als ich schon nicht mehr geradeaus gucken konnte, durch die Bedienungsanleitung für die Knopfloch-Funktion geführt hat. Nach 4 Probe-Knopflöchern konnte ich meinen neuen Rock mit 11 wunderschönen Knopflöchern schmücken.

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Wie man die „Mantel-Automatik“ freischalten kann (sprich: Stoff auf die NähMa werfen, Automatik aktivieren, fertigen Mantel hervorziehen), hat sich uns leider nicht erschlossen. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass man erst 2 Jahre und ca. 150 Knopflöcher genäht (oder 500 Bonuspunkte erzielt) haben muss, bevor diese Funktion auf dem nächsten Level frei geschaltet wird.

So gut mir mein Rock gefällt, so unzufrieden bin ich mit dem Schnittmuster. Die Änderungen habe ich bei meinem Beitrag zum Me Made Mittwoch hier beschrieben. Doch genug Gemecker: hier nun noch schnell ein Rock-Foto aus dem verschneiten Garten – in superschicken Filzlatschen…

Rock

Mein ganz großer Dank geht an die drei Organisatorinnen des wunderschönen Näh-Wochenendes: Susi, Alex und Miriam – es war wieder ein tolles Wochenende! Und mehr Berichte dazu gibt es hier zu lesen.

 

Queste-Faktor:
Nähen: auf etwas beengtem Platz aber mit sehr viel Nähnerd-Flausch und netten Gesprächen! Nicht zu vergessen: die gegenseitige Hilfe, die mich gerade beim Knopfloch-Nähen mächtig nach vorn gebracht hat…
Glücksfaktor: definitiv! Es war sehr schön!
Wiederholungsfaktor: Hoffentlich!

Antizyklisches Nähen: Fumeterre

Beim Me Made Mittwoch möchte ich heute gerne meinen Maxi-Rock von der AnNÄHerung am vergangenen Wochenende in Bielefeld vorstellen. Und zwar „Fumeterre“ von Deer & Doe:

Fumeterre_Titel

Genäht aus leichtem Baumwollstoff vom Natur-Stoffgeschäft meines Vertrauens hier vor Ort. Eigentlich nur sommertauglich und absolut untragbar bei den eisigen Temperaturen zurzeit.

So gut mir mein Nähergebnis gefällt, so unzufrieden bin ich mit dem Schnittmuster. Ich hatte schon auf anderen Blogs gelesen, dass viele trotz richtig zugeschnittener Größe hinten im Bund gar nicht genug Weite hatten, um die Kräusel mit dem Gummiband zu erzielen. Als ich abends vor der AnNÄHerung den Stoff fertig zugeschnitten und noch einmal nachgemessen hatte, bin ich zum selben Ergebnis gekommen: viel zu wenig Stoff hinten im Bund! Was tun? Stoff zum neuen Zuschneiden hatte ich nicht mehr.

Meine Lösung: oben die einzelnen Rockteile um 9 cm kürzen. Sie waren eh viel zu lang (und dabei sollen die Schnittmuster für eine Körpergröße von 168 cm gedacht sein). Beim Nähen habe ich dann die vorderen Rockteile insgesamt 6 cm enger genäht, die hintere Weite aber so gelassen und das Gummi eingezogen. Hat geklappt. Ein weiteres Manko des Schnitts – zumindest bei der von mir genähten Version A: keine Rocktaschen! Wenn ich eines auf der AnNÄHerung gelernt habe: „Rock ohne Taschen geht ja gar nicht!“. Also habe ich kurzerhand der Harriet welche gemopst und für den Fumeterre zugeschnitten.

Hier nun noch die schnellen Fotos vom letzen Wochenende, direkt nach der AnNÄHerung im verschneiten Garten. Man beachte bitte auch das jahreszeitlich angepasste, schicke Schuhwerk…

Fumeterre_Ansicht

Mehr selbstgenähte Kleidung gibt es wie immer beim Me Made Mittwoch zu sehen. Und meinen Bericht von der AnNÄHerung #3 gibt es hier zu lesen.

Queste-Faktor:
Nähen: das Schnittmuster ist so lala. Die Anleitung gab es auf ‚Fronszösiiisch‘ und auf Englisch. Dank der Bilder bin ich ganz gut damit zurecht gekommen. Gut gefällt mir auch der Beleg, der unten an den Rocksaum genäht wird.
Glücksfaktor: definitiv! Das Nähen an dem Wochenende hat viel Spaß gemacht und ich habe mit den 11 Knöpfen für den Rock das erste Mal die Knopfloch-Funktion von meiner neuen NähMa testen können.
Wiederholungsfaktor: Stoff für die „Reißverschluss-Version“ vom Fumeterre habe ich bereits gewaschen hier liegen. Mit meinen Anpassungen sollte es auch einigermaßen fix gehen. Und ich freue mich schon auf den Sommer, wenn ich den (die zahlreichen weiteren?) Fumeterre(s) anziehen kann.

Projekt Brot und Butter

Brot_und_Butter_Projekt

SiebenhundertSachen ruft zum Sew Along auf. Und zwar geht es darum, in den nächsten 3 Monaten Kleidung für den Alltag zu nähen. Beides gut: Sew Alongs motivieren mich ungemein und Alltagskleidung steht schon ewig auf meiner Nähliste – zumal ich schon lange aufgehört habe, mir welche zu kaufen und stattdessen immer  vorhabe, sie mir selbst zu nähen. Nur: als Nähschnecke (mit max. 1 Teil in 2 Monaten) komm‘ ich zu nix.

Nun also ein Sew Along, der mir vielleicht etwas Beine machen wird. Wobei ich wohl nicht mir reicher Ausbeute glänzen werde.

Die Bestandsaufnahme zeigt, dass ich als Ganzjahresradfahrerin täglich in Hosen unterwegs bin, meistens lang- oder kurzärmlige T-Shirts trage (unter der dicken Winterjacke ist beim Radfahren auch nix anderes möglich, da ich sonst den Hitzetod sterbe…) und mir im Büro dann noch eine Strickjacke oder eine Jeans- oder Cordjacke überwerfe. Nix wirklich Schickes also, eher unkomplizierte, funktionelle Kleidung.

Mein Brot- und Butter-Nähen bestünde in erster Linie wohl darin, mir eine Auswahl an Basics zu nähen: nämlich lang- und kurzärmlige Jersey-Shirts in allen Variationen: uni, farbig und gut zu kombinieren. Schnitte dafür habe ich ‚en masse‘: meine vielen Nähzeitschriften sind voll davon.

Shirt_Uebersicht
Eine mehr oder minder schicke Büro-Jacke wäre auch noch nett. Allerdings würde die bei meinem Nähtempo den Zeitrahmen sprengen. Hosen habe ich zurzeit genug, auch wenn ich gerne mal eine wirklich gut passende Jeans von mir reproduzieren möchte.

Ich bin gespannt, ob ich zum Schluss etwas zum Vorzeigen produziert habe und gehe hier mal gucken, was die anderen so vorhaben. Vielen Dank schon mal an SiebenhundertSachen für die supergute Idee und den Sew Along – ich bin dabei!

 

 

Mantel mit Geschichte…

… oder wie ein französischer Fliegermantel ein Familienerbstück wurde.

Kragen_außen

Ich habe schon überlegt, ob ich den Besitz und den Mantel selbst hier auf meinem Blog dokumentiere und ob er von Interesse ist. Ehrlich gesagt, bin ich ein wenig befangen, wenn ich daran denke, dass er aus dem letzten Krieg stammt. Aber vielleicht ist er interessant genug für alle, die sich für die historische Machart von Kleidung interessieren.

Anstoß zu diesem Blogbericht gab mir Alex, die (immer neugierig und offen für Inspirationen) nach dem Mantel fragte, den ich auf Twitter erwähnt habe. Also hier nun eine kleine Dokumentation mit vielen Fotos zu dem Mantel, bei der ich hoffe, alle nähtechnisch interessanten Details eingefangen zu haben.

Doch erst ein paar Worte, wie ich überhaupt zu dem Ding gekommen bin und die Geschichte dazu: Angeblich hat mein Großvater väterlicherseits den Mantel von einem Aufenthalt in Frankreich mitgebracht. Ich weiß nicht, ob er ihn selbst getragen hat. War ja schwierig die Zeit damals. Später trug mein Paps den Mantel beim Motorradfahren. Danach hat ihn mein Bruder getragen, ebenfalls zum Motorradfahren oder „um auf die Piste“ zu gehen. Später, als die ersten Freunde mich zu Ausflügen mit dem Motorrad abholten, wurde ich von meinen Eltern mangels Lederkluft in diesen Mantel „gesteckt“. Als ich mit 22 von zu Hause auszog, habe ich ihn dann bekommen und bin in ihm mit dem Rad zur Uni gefahren, bevor die atmungsaktiven, regendichten Klimamembran-Regenjacken auf den Markt kamen.

Ehrlich gesagt: der Mantel ist mir mit 2,5 Kilogramm viel zu schwer und viel zu groß für mich. Ursprünglich gehörte noch ein Gürtel dazu. Ich habe ihn jetzt aber nicht mehr gefunden. Wahrscheinlich ist er morsch und brüchig geworden und wurde entsorgt. Vom Komfort ist der Mantel recht steif durch das dicke Leder. Ist man aber erstmal drin, kann man darin wohnen (und ein wenig Fitnesstraining absolvieren…).

Meine Eltern und mein Bruder hatten mich immer wieder darauf hingewiesen (vorausblickend, dass der Mantel in der Öffentlichkeit etwas Aufsehen erregen könnte), dass es sich bei dem Mantel nicht um einen Mantel der Wehrmacht handelt, da mehrere Merkmale absolut dagegen sprechen (Nähnerds sehen das): 1. die Farbe (dunkles Rehbraun), 2. die Länge (er ist zu kurz, die graugrünen Dinger der Deutschen waren länger, damit der Saum nicht über den Stiefelschäften hängen blieb) und 3. natürlich der Raglan-Schnitt, der typisch für die Franzosen ist.

Aber jetzt zum Mantel. Ich hoffe, ich konnte spannende Details auf die Fotos bannen (Klick auf die Fotos vergrößert).

Hier die Vorder- und Rückseiten des Mantels, außen und innen:

Mantel_vorn_hinten_Futter

Der Kragen außen und innen sowie die Kragenschnalle:Kragen_komplett

Originalknopf, Knopfloch von außen und von innen:

Knopf_Loch

Schnalle zur Regulierung der Ärmelweite unten:

Aermelschnalle_auf_zu

Die Brusttasche (Knopf ist ab, wie man sieht…):

Brusttasche_komplett

Der Futterstoff (Wollgarbadine?), abgewetztes Futter unten am Saum und Stückelung des Belegs innen:Futter_Beleg

 

Hübsche Druckknöpfe am Kragen, jeweils Vorder- und Rückseite – mit Verzierungen:

Druckknoepfe_komplett

Seitentasche(n), Ärmelschnitt (einteilig) von außen und innen (Ärmelfutter schon aus „Flutschstoffmaterial“ mit Handstichen):Tasche_Aermel

Man sieht, das der Mantel „echt vintage“ ist, teilweise bröckelt die Farbe (man sieht’s an den dunklen Pünktchen an den Fingern), das Leder ist an manchen Stellen brüchig oder durchgewetzt und das Futter teilweise durchgeschubbelt oder an einigen wenigen Stellen geflickt. Ich hatte ihn auf dem Dachboden aufbewahrt, was nicht optimal ist – ich weiß. Daher habe ich ihn erstmal wieder ordentlich mit Lederseife behandelt. Insgesamt macht das Leder für das Alter aber noch einen recht guten Eindruck.

Dass ein solcher Mantel teilweise Bestandteil einer Militaria-Sammlung ist, stimmt mich nicht gerade glücklich (ich habe damit wirklich nix am Hut), zeigt aber, dass die überlieferte Herkunft wohl stimmt. Hier ein Foto aus einem französischen Forum – der Mantel vorne rechts sieht genauso aus wie meiner.

Museum_QuelleIch weiß nicht, was ich nun mit dem Mantel machen soll (wie gesagt: er ist eigentlich zu schwer, zu groß und zu unhandlich) – vielleicht eine Tasche draus nähen? Keine Ahnung. Ich werde ihn wohl noch mit Lederfett behandeln und wieder weghängen.

Verkaufen werde ich ihn nicht.

So, ich hoffe, ich konnte ein wenig Einblick in ein historisches (nicht ganz unbelastetes) Kleidungsstück geben, das ich – was die Machart betrifft und jetzt wo ich selber nähe – mit ganz neuem Blick betrachte.

WKSA 2015: Finale – das wird ein Fest!

Es ist geschafft: das Kleid Harriet aus der La Maison Victor und ich haben uns zusammen gerauft und ich kann nach einem abendlichen Näh-Marathon gestern heute ein (fast) fertiges Kleid präsentieren. Die einen oder anderen Handstiche muss ich noch machen und betreffen vor allem den Ausschnitt vorn, bei dem die mittleren Ausschnittnähte noch nicht ganz geschlossen sind und den Reißverschluss, der am Hals noch komische Anstalten macht. Aber da ich noch Fotos bei Tageslicht haben wollte (wie man sieht, schön überbelichtet), müssen diese „Unpässlichkeiten“ eben mit aufs Foto:

WKSA_Harriet_bearb

Fast hätte sich Harriet selbst von der Gästeliste am 24. gestrichen. Beim Ärmeleinsetzen – vor dem es mir sowieso immer graut – habe ich prompt beim ersten Ärmel vergessen, die Unterfadenspule zu wechseln. Nachdem ich ca. 3/4 des Ärmels eingenäht hatte, fiel mir auf, dass ich die Unterseite schön brav mit dem weißen Heftfaden genäht habe (aaaarrrrgghh!). Nun, ein Gutes hatte es: das Trennen ging dank des weißen Fadens recht fix…

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Als nächstes ist es mir mehrfach gelungen, formidable Falten in den Ärmel einzunähen. Auf der Oberseite sah alles immer top aus, aber auf der Rückseite hatte ich hier und da Stoff miteingenäht, der da sicherlich nicht hingehörte. Im Murksnähen könnt‘ ich Kurse geben…

Den Saum habe ich wie geplant mit einem Schrägband versäubert, da mir die Rocklänge zum Einschlagen und Umnähen zu kurz geworden wäre. Schön meiner „inneren Inge“ folgend, habe ich das Band dann von der Rückseite mit Handstichen angenäht.

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Ich bin relativ zufrieden mit meinem Weihnachtskleid. Der Halsausschnitt hinten steht manchmal etwas ab. Wahrscheinlich hätte ich eine Stütznaht nähen sollen, wie die Anleitungen von Simplicity das immer vorsehen. Nächstes Mal bin ich schlauer.

WKSA_finale_bearb

So, jetzt gehe ich mal gucken, wie es beim großen Weihnachtskleid-Finale aussieht und ob ich noch die eine oder andere „Harriet“ entdecken kann. Ich wünsche allen hier schon einmal entspannte und fröhliche Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Queste-Faktor:
Nähen: Die Anleitung im La Maison Victor war gut verständlich und die einzelnen Schritte schön bebildert. Beim Halsausschnitt habe ich vorn die Rundung etwas tiefer gemacht und den Brustpunkt versetzt. Die Größenanpassungen im Schnitt habe ich bereits beim Abzeichnen der einzelnen Teile gemacht und mich von Größe 36/38 über 38/40 bis zu Größe 40/42 von oben nach unten gearbeitet. Ich bin ganz zufrieden damit. Für die Kiste musste ich die Seitennaht noch etwas nach außen setzen, aber das ist im Rahmen…
Glücksfaktor: Sew-Alongs machen mir prinzipiell Spaß, da es mich sehr motiviert, im „virtuellen Rudel“ zu nähen. Zwischenzeitlich hat mich die Harriet doch ziemlich Nerven gekostet, da ich relativ viel „Murks“ fabriziert habe. Aber im Endeffekt gefällt mir mein Kleid ganz gut und ist sicherlich auch zu anderen Anlässen tragbar.
Wiederholungsfaktor: Im Prinzip ja, vielleicht mit einem Stoff, der etwas mehr Stand hat.

WKSA 2015 #4: Harriet und ich – es geht voran

Upps – irgendwie bin ich jenseits von Zeit und Raum und dachte, der nächste Zwischenstandsbericht zum Weihnachtskleid Sew Along wäre erst am 4. Advent dran. Das kommt davon, wenn man sich am Wochenende intensivem Weihnachtsmarkt-Tourismus zum allerschönsten, mir bekannten Weihnachtsmarkt hingibt… Nur gut, dass das Link-Tool noch länger geöffnet ist. So kann ich mit meinem minimalen Fortschritt noch hinterher kleckern.

Heute geht es um folgende Themen:
– Fertig. Mit Kleid 1, 2 und 3. Jetzt kann ich noch ein Jäckchen stricken, eine passende Tasche nähen und die letzten Weihnachtskekse backen. (Ha! Hahahahahaha…)
– Puh, ich habe die knifflige Stelle gemeistert und bin wahnsinnig stolz auf mich. Nie hätte ich das gedacht. (Yes!)
– Jetzt aber los. Die letzten Geschenke besorgen, das Weihnachtsmenü planen und natürlich noch das Kleid säumen. (ja, schön wär’s)

Ich gehöre eindeutig zu den „Kniffelige-Stelle-gemeistert-Kandidatinnen“… Und zwar (tadaaaah!): ich habe mit meiner neuen Nähmaschine und überhaupt das erste Mal mit dem Spezialfuß für nahtverdeckte Reißverschlüsse einen selbigen in mein Nähprojekt eingenäht (konnten mir alle bis hierhin folgen?). Ging sogar ganz gut.

Hier die Methode, die ich mir im Nähcafé abgeguckt habe, als mir die Schneidermeisterin mangels passendem Nähfuß zu meiner alten Singer den Reißverschluss beim Cambie eingenäht hat:

Reissverschluss_annaehen

Erst die eine Seite des Reißverschlusses annähen, Reißverschluss schließen, dann die Höhe des Taillenbands auf der noch nicht festgenähten Seite mit Knipsen markieren, Reißverschluss auf dem andereren Rückenteil anlegen und die Knipse im Bereich des Taillenbandes ausrichten. Von dort dann zunächst nach unten nähen. Und dann noch mal extra von der Mitte (Taillenband) nach oben – die beiden Teile des Taillenbandes müssten dann ohne Höhenversatz recht perfekt ausgerichtet sein …

Und was ich auch noch nie gemacht habe: zum Gucken, ob alles passt, habe ich geheftet: die Seitennähte und die Ärmel – schön mit weißem Nähgarn und groooooßen Stichen. Ja, im Großen und Ganzen bin ich recht zufrieden mit meinen, im Vorfeld vorgenommenen, Schnittanpassungen. Ein wenig werde ich die Seitennähte noch korrigieren, aber ich glaube, ich bin auf einem guten Weg.

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Den Rocksaum werde ich knappkantig mit irgend so einem Band verstürzen müssen, da er mir zu kurz ist, als dass ich mich mit einem eingeschlagenem Saum richtig wohlfühlen würde. Nächstes Mal weiß ich Bescheid und gebe einfach noch ein paar Zentimeter dazu.

So, und hier nun der geheftete Zwischenstand, ohne Belege und ohne umgenähte Ärmel, die da noch recht formlos herum hängen, abends nach der Arbeit bei schummrigen Lampenlicht. Anders geht’s bei mir im Winter leider nicht.

gehefteter Zwischenstand

Und nun gucke ich mal, wie weit die anderen Sew-Alongnistas sind und was meine „Harriet-Mitstreiterinnen“ so machen – hier, beim Me Made Mittwoch.

WKSA 2015 #3: Zwischenstand beim Kleid „Harriet“

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Beim 3. Treffen des virtuellen Weihnachtskleid-Nähkränzchen geht es um den Zwischenstand: Probemodell, Passformprobleme oder den Aufgalopp zum 2. und 3. Kleid – für diejenigen, die solch einen Sew Along auf einer Pobacke absolvieren…

Hm, dazu gehöre ich nicht. Nach wie vor ist fast jedes Nähprojekt noch immer spannend für mich und alles andere als Routine. Ich bin eben eine Nähschnecke und ohne viel Erfahrung, Kurs und Anleitung durch jemand anderen muss ich mir viele Sachen selbst hinklamüsern. So auch bei meinem diesjährigen Weihnachtskleid-Projekt, dem Kleid „Harriet“ aus der La Maison Victor.

Nach dem Abpausen der Schnittteile auf Malerfolie hab ich die Teile für das Oberteil probehalber mit Stecknadeln zusammengesteckt und angehalten. Im Großen und Ganzen war ich mit den abgepausten Größen ganz zufrieden – wobei ich mich darüber wundere, wie klein die Größenzuordnungen ausfallen: vom Oberteil zur Taille bis zum Rockteil habe ich mich von Größe 36/38 über 38/40 bis Größe 40/42 vorgearbeitet. Außerdem habe ich bei den Prinzessnähten vorn den Brustpunkt um 2 cm versetzt (ihr wisst schon, in welche Richtung…). Eine Anleitung hatte ich dafür nicht – ich habe es durch Schnittteil anstarren und grübeln hinbekommen (- was vom einen Teil weggenommen wird, muss beim anderen wieder hinzugefügt werden… oder so ähnlich).

Mit der Anleitung bin ich bislang gut zurecht gekommen – alles 1a bebildert und beschrieben. Großen Respekt hatte ich vor den Ziernähten, mit denen die Prinzessnähte, das Taillenband und die Rockbahnen abgesteppt werden. So etwas hatte ich bisher nur bei einem einzigen Projekt, meinem Cordrock versucht, und dort auch nur für wenige Zentimeter auf den Taschen. Was, wenn ich da großen Kokolores veranstalte und alles krumm und schief wird?

Zum Glück hatte ich mal in der Nähnerd-Gemeinde auf einem Blog gelesen, dass das Absteppen gut mit einem Blindstichfuß funktioniert, bei dem die Führungsschiene in der Nahtrille läuft und man schön gleichmäßig mit entsprechend eingestellter Nadel links oder rechts daneben Nähte wie aus dem Bilderbuch fabriziert. Mit meiner alten Singer aus den 70ern hätte ich das mangels Füßchen nicht hinbekommen. Da ich aber in der Grundausstattung meiner neuen NähMa ein solches Füßchen gefunden habe, habe ich die Aufgabe ganz gut meistern können. (Ich bin sogar ein wenig begeistert, wie toll die abgesteppten Nähte aussehen…!)

nice_topstiching

Mit dem Vorder- und dem Rückenteil bin ich soweit durch. Aktuell fehlen mir noch der Reißverschluss, die Seitennähte, Halsbelege, Ärmel und die Säume, aber das bekomme ich in den nächsten 2 Wochen sicherlich auch noch hin. Vorausgesetzt, ich fabriziere mit dem extra angeschafften Fuß für nahtverdeckte Reißverschlüsse nicht noch einmal so einen Murks wie den, der sich auf dem Bild unten bereits abzeichnet. Profis erkennen, warum ich den heutigen Abend mit Auftrennen des gesamten eingenähten Reißverschlusses verbracht habe. Und für alle anderen habe ich den Rat: „Nicht nachmachen – ganz großer Fehler!“ Aber aus Fehlern wird man klug – auch beim Nähen.

Reißverschluss

Wie die Fortschritte der anderen Weihnachtskleid-Sew-Alongnistas aussehen, geh‘ ich gleich mal beim aktuellen virtuellen Nähkränzchen beim Me Made Mittwoch gucken.