Mantel mit Geschichte…

… oder wie ein französischer Fliegermantel ein Familienerbstück wurde.

Kragen_außen

Ich habe schon überlegt, ob ich den Besitz und den Mantel selbst hier auf meinem Blog dokumentiere und ob er von Interesse ist. Ehrlich gesagt, bin ich ein wenig befangen, wenn ich daran denke, dass er aus dem letzten Krieg stammt. Aber vielleicht ist er interessant genug für alle, die sich für die historische Machart von Kleidung interessieren.

Anstoß zu diesem Blogbericht gab mir Alex, die (immer neugierig und offen für Inspirationen) nach dem Mantel fragte, den ich auf Twitter erwähnt habe. Also hier nun eine kleine Dokumentation mit vielen Fotos zu dem Mantel, bei der ich hoffe, alle nähtechnisch interessanten Details eingefangen zu haben.

Doch erst ein paar Worte, wie ich überhaupt zu dem Ding gekommen bin und die Geschichte dazu: Angeblich hat mein Großvater väterlicherseits den Mantel von einem Aufenthalt in Frankreich mitgebracht. Ich weiß nicht, ob er ihn selbst getragen hat. War ja schwierig die Zeit damals. Später trug mein Paps den Mantel beim Motorradfahren. Danach hat ihn mein Bruder getragen, ebenfalls zum Motorradfahren oder „um auf die Piste“ zu gehen. Später, als die ersten Freunde mich zu Ausflügen mit dem Motorrad abholten, wurde ich von meinen Eltern mangels Lederkluft in diesen Mantel „gesteckt“. Als ich mit 22 von zu Hause auszog, habe ich ihn dann bekommen und bin in ihm mit dem Rad zur Uni gefahren, bevor die atmungsaktiven, regendichten Klimamembran-Regenjacken auf den Markt kamen.

Ehrlich gesagt: der Mantel ist mir mit 2,5 Kilogramm viel zu schwer und viel zu groß für mich. Ursprünglich gehörte noch ein Gürtel dazu. Ich habe ihn jetzt aber nicht mehr gefunden. Wahrscheinlich ist er morsch und brüchig geworden und wurde entsorgt. Vom Komfort ist der Mantel recht steif durch das dicke Leder. Ist man aber erstmal drin, kann man darin wohnen (und ein wenig Fitnesstraining absolvieren…).

Meine Eltern und mein Bruder hatten mich immer wieder darauf hingewiesen (vorausblickend, dass der Mantel in der Öffentlichkeit etwas Aufsehen erregen könnte), dass es sich bei dem Mantel nicht um einen Mantel der Wehrmacht handelt, da mehrere Merkmale absolut dagegen sprechen (Nähnerds sehen das): 1. die Farbe (dunkles Rehbraun), 2. die Länge (er ist zu kurz, die graugrünen Dinger der Deutschen waren länger, damit der Saum nicht über den Stiefelschäften hängen blieb) und 3. natürlich der Raglan-Schnitt, der typisch für die Franzosen ist.

Aber jetzt zum Mantel. Ich hoffe, ich konnte spannende Details auf die Fotos bannen (Klick auf die Fotos vergrößert).

Hier die Vorder- und Rückseiten des Mantels, außen und innen:

Mantel_vorn_hinten_Futter

Der Kragen außen und innen sowie die Kragenschnalle:Kragen_komplett

Originalknopf, Knopfloch von außen und von innen:

Knopf_Loch

Schnalle zur Regulierung der Ärmelweite unten:

Aermelschnalle_auf_zu

Die Brusttasche (Knopf ist ab, wie man sieht…):

Brusttasche_komplett

Der Futterstoff (Wollgarbadine?), abgewetztes Futter unten am Saum und Stückelung des Belegs innen:Futter_Beleg

 

Hübsche Druckknöpfe am Kragen, jeweils Vorder- und Rückseite – mit Verzierungen:

Druckknoepfe_komplett

Seitentasche(n), Ärmelschnitt (einteilig) von außen und innen (Ärmelfutter schon aus „Flutschstoffmaterial“ mit Handstichen):Tasche_Aermel

Man sieht, das der Mantel „echt vintage“ ist, teilweise bröckelt die Farbe (man sieht’s an den dunklen Pünktchen an den Fingern), das Leder ist an manchen Stellen brüchig oder durchgewetzt und das Futter teilweise durchgeschubbelt oder an einigen wenigen Stellen geflickt. Ich hatte ihn auf dem Dachboden aufbewahrt, was nicht optimal ist – ich weiß. Daher habe ich ihn erstmal wieder ordentlich mit Lederseife behandelt. Insgesamt macht das Leder für das Alter aber noch einen recht guten Eindruck.

Dass ein solcher Mantel teilweise Bestandteil einer Militaria-Sammlung ist, stimmt mich nicht gerade glücklich (ich habe damit wirklich nix am Hut), zeigt aber, dass die überlieferte Herkunft wohl stimmt. Hier ein Foto aus einem französischen Forum – der Mantel vorne rechts sieht genauso aus wie meiner.

Museum_QuelleIch weiß nicht, was ich nun mit dem Mantel machen soll (wie gesagt: er ist eigentlich zu schwer, zu groß und zu unhandlich) – vielleicht eine Tasche draus nähen? Keine Ahnung. Ich werde ihn wohl noch mit Lederfett behandeln und wieder weghängen.

Verkaufen werde ich ihn nicht.

So, ich hoffe, ich konnte ein wenig Einblick in ein historisches (nicht ganz unbelastetes) Kleidungsstück geben, das ich – was die Machart betrifft und jetzt wo ich selber nähe – mit ganz neuem Blick betrachte.

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